Natürlich hatten die Leute in den dreissiger Jahren noch keine Ahnung, was es einmal heissen würde, gute Filme durch schlechte Sequels ruiniert zu sehen. Allerdings schienen sich die Regisseure damals noch mehr Mühe damit zu geben als heute, jedenfalls ist diese Angst bei "Frankensteins Braut" vollkommen unbegründet, denn dieser Film übertrifft das Original zwar nicht, aber zum allerersten Mal braucht sich eine Fortsetzung nicht hinter seinem Vorgänger zu verstecken, da sie genug eigenes Potential beinhaltet.
Der Regisseur James Whale schaffte es, alles was den ersten Frankenstein auszeichnete gesondert aufzuzeigen und dank eines viel größeren Budgets, was der erste Teil einspielte, nutzt der Film jede Möglichkeit, um eine noch dichtere Atmosphäre zu schaffen: Die Rolle des Monsters, mit der sich Boris Karloff schon damals eine Kultfigur entwickelte, wurde für diesen Film merklich erweitert und insbesondere die Tragik kommt zum Vorschein. Das Monster lernt zu sprechen und schafft es trotz eines sehr begrenzten Vokabulars, Gefühle und Gedanken unmissverständlich auszudrücken.
Es freundet sich mit einem blinden Einsiedler an, der einzige Mensch, der sich nicht von ihm abgestoßen fühlte. Und alleine diese langen und tragischen Szene sind den gesamten Film wert.
Die Erschaffung der eigentlichen Braut geschieht erst in den letzten zehn Minuten und die berühmte Szene ist zwar fast identisch mit der des ersten Teils (Gewitternacht, das Umlegen des Schalters), jedoch kommt sie hier um noch einiges spannender und atmosphärischer rüber. Die Rolle der Braut ist zwar klein und wortlos, aber auf ihr lastet der gesamte Film; und Elsa Lancester schafft es in vielleicht zwei Minuten dem ganzen Film eine unerwartete Wendung zu geben, das Ende gehört zum besten, was jemals eine Kamera aufgezeichnet hat.
Wie bei allen Universal Classic Monsters kommt "Frankensteins Braut" im vollen Paket: Dokumentation, Bildergalerie und Audiokommentar dürften kaum noch einen Wunsch offen lassen.
Natürlich fing die Frankenstein-Serie mit diesem Film erst richtig an, und es folgten noch unzählige Fortsetzungen und Remakes, jedoch alle ohne James Whale, der mit diesem Film eine Fortsetzung drehte, die als einzige in der Filmgeschichte nicht wie eine Selbstparodie wirkt.