Mary Shelley, Gattin des Dichters Percy B. Shelley, befreundet mit Lord Byron und anderen illustren Persönlichkeiten der damaligen britischen Snobiety, schuf mit ihrem Früh-Werk "Frankenstein" wohl den Inbegriff des Schauerromans. Schon früh von der Bühne vereinnahmt, aber anfangs nicht sonderlich erfolgreich, wurde das Werk erst berühmt, als die Regisseure Hollywoods sich seiner annahmen. Nur reduzierten sie den Frankensteinstoff leider auf etwas Triviales, rein Vordergründiges, das diesem Werk aber in keiner Weise gerecht werden kann.
In Mary Shelleys Roman geht es nämlich um viel mehr als um schieren Horror. Der Roman, der wie alle Werke Mary Shelleys autobiographische Züge trägt, ist eine Studie über das Alleinsein, über die Einsamkeit des Menschen, über das Ausgegrenztsein derjenigen, die nicht den gängigen gesellschaftlichen Konventionen entsprechen oder genügen. Er spiegelt also insofern auch die Seelenlage der Autorin wider, die zeitlebens mit dem Problem der Einsamkeit zu kämpfen hatte. Zugleich ist es ein Buch über die Hybris der Wissenschaft, und wer genauer liest, wird darin sogar satirische Züge entdecken können.
Das von Viktor Frankenstein geschaffene Monster wird erst von seiner Umwelt zu einem Monster gemacht und zu seinen Untaten getrieben, und wenn man nur die Worte zugrunde legt, die dieses künstlich geschaffene Wesen im Gespräch mit seinem vermessenen Schöpfer äußert, dann ist das Monster sogar das menschlichste aller im Roman auftretenden Protagonisten.
Es lohnt sich also unbedingt, das Buch "Frankenstein" zu lesen, sich intensiv mit seinem Inhalt zu beschäftigen, auch oder gerade dann, wenn man bereits zig Frankenstein-Filme gesehen hat. "Frankenstein" ist in meinen Augen nicht nur ein Klassiker der Horror-Literatur, sondern auch ein beachtenswertes Werk der Weltliteratur.