“ Frankensein muss sterben” ist wieder mal ein ausgezeichneter Horrorfilm aus dem Hause Hammer, der sich mit dem berühmtesten und berüchtigtsten Wissenschaftler der Literatur und Filmgeschichte beschäftigt. Peter Cushing spielt mit gewohnter Brillanz den Victor Frankenstein als skrupellosen überheblichen und eiskalten Intellektuellen, der die schmale Grenze zwischen Genie und Wahnsinn nun endlich um mehrere hundert Kilometer überschritten hat.
War er im Original „The curse of Frankenstein“ zwar schon ein von Wissensdurst getriebener unsympathischer Wicht , der auch vor Mord nicht zurückschreckt , konnte man in den nachfolgenden Filmen „The revenge of Frankenstein“, „The evil of Frankenstein“ und vor allen in „Frankenstein created woman“ fast so etwas wie Verständnis für diesen Mann haben, der zwar ganz offensichtlich nicht mehr alle Tassen im Schrank hat aber nichtsdestotrotz ein genialer Forscher ist.
Die bluttriefende Anfangssequenz gibt auch gleich den Ton für den Film an. Ja, wenn dieser Baron Frankenstein ein frisches Hirn braucht dann schickt er nicht mehr bucklige, grenzdebile Helfer auf Einbruchstour in eine Klinik oder buddelt des nächtens Leichen am Friedhof aus! Er schnappt sich einfach einen Korb und ein Sichelmesser und holt sich die Teile für seine humanwissenschaftlichen Basteleien gleich selbst!
So wie er die Geheimnisse des Lebens entschlüsseln möchte so hat es sich Frankenstein in diesen Film wohl auch zur Aufgabe gemacht das Inhaltsverzeichnis des Strafgesetzbuch nachzustellen. Mord, Erpressung, Raub, Nötigung, Einbruch, Totschlag, Entführung, illegale Operationen, Vergewaltigung(!!), wieder mal Mord und ich glaub den Kaffee hat er auch nicht bezahlt! Das beschreibt in etwa chronologisch Frankensteins Aktionen (nur in diesen Film, wohlgemerkt!). Mit diesem Background ist es klar, das er, selbst wenn seine Experimente Erfolg haben sollten, NIE, aber auch wirklich nie, den Nobelpreis in Empfang nehmen wird können.
Die Besetzung ist (wie immer) erste Sahne! Thorley Walters, ein oft und gern gesehener Schauspieler in Hammerfilmen, ist wieder mal großartig. Diesmal als leicht exzentrischer Polizeiinspektor der die Ermittlungen rund um Frankensteins Verbrechen führt. Das allerdings mit bescheidenen Erfolg und noch weniger Einfluss auf die Handlung. Denn Frankensteins wahrer Kontrahent ist sein „Geschöpf“ in der Gestalt von Dr. Richter (bzw das Hirn von Dr. Brandt im Körper von Dr. Richter!) gespielt von Freddie Jones, der das wohl berührendste „Monster“ der Hammerfrankensteinfilme ist und den Kampf mit seinen „Erzeuger“ aufnimmt, der im feurigen Finale des Films endet.
Simon Ward und Veronica Carlson, die sich schon zuvor von Christopher Lees Dracula beißen lassen musste, sind das verzweifelte Pärchen, das von Frankenstein eiskalt erpresst und ausgenützt werden und Peter Cushing liefert wie immer eine beeindruckend faszinierende Darstellung, obwohl Frankenstein in diesen Film wirklich nur böse, aber wirklich böse, echt extrem böse (der Titel kommt nicht von umsonst) ist.
Die DVD selbst wartet mit kaum Extras auf. Gerade mal den Trailer! Schade eigentlich, vor allen wenn man sich die AnolisDVDs der Hammerfilme vor Augen führt. Nichtsdestotrotz „Frankenstein muss sterben“ ist ein toller Film. Bisserle brutal vielleicht aber Fans des Genres sollten auf jeden Fall zugreifen!