Gute 2 Jahre hat es gedauert, bis Dean Kontz sich motivieren konnte, die ihm mittlerweile ungeliebte Triologie über Viktor Frankenstein abzuschließen. Diesen Unwillen merkt man den 300 Seiten dann auch an: verlor schon Band 2 im Vergleich zum Auftakt merklich an Spannung und Logik, ist "Der Schatten" einfach nur noch schwer erträgliche Fantasykost.
Die Ereignisse des Buches sind in 3 Handlungsstränge aufgeteilt, die letztlich keine 24 Stunden beschreiben. Dabei handelt es sich zuvorderst um das Wirken der beiden Detectives plus des "Urmonsters" - wobei dieser Teil seltsam verflacht und mit jedem Kapitel unwichtiger wird. Den Großteil nimmt die neu geschaffene Ehefrau Viktors' und die Gestalt des seltsamen Kobolds ein, der aus dem Leib eines zuvor verendeten neuen Menschen erwachsen ist. Warum hier neue Personen, die für den Verlauf der Geschichte absolut gleichgültig sind, fast 50% des Inhalts ausmachen - das bleibt eines von mehreren Geheimnissen des Autors. Die verbleibenen Kapitel widmen sich Viktor - alias Helios - selbst und veranschaulichen sein Abdriften in den Wahnsinn. Und dies wirft zwangsläufig die Frage auf: warum jetzt? Warum knallt nach über 200 Jahren mit einem Schlag und so vehement, die Sicherung des so genialen wie unmenschlichen Wissenschaftlers durch? Dazwischen werden alle Protagonisten, die in den Bänden zuvor aufgebaut wurden, meist sinnlos hinweg gefegt oder tauchen nur noch in wenigen Nebensätzen auf.
Weitere logischen Lücken durchziehen "Der Schatten" und verderben den Lesespaß: Deucalion ist das Töten seines ehemaligen Meisters genetisch verboten und trotzdem kann er die Hebel umlegen, die sein Wirken beenden? Warum sterben alle neuen Menschen mit dem Tod von Viktor, obwohl doch seine Mörder unter eben diesen alle anderen genetischen Schutzmechanismen abgestossen hatten? Und so weiter, und so fort...
Ein wirklich enttäuschender Abschluß einer Reihe, die aussergewöhnlich interessant begonnen hatte...