Die Rückseite des Buches verheißt Spannendes: Es gehe in dem Buch um die Frage, ob die Darstellungen psychischer Krankheiten in Filmen wie "Rain Man" oder "Schweigen der Lämmer" der Realität entsprechen. Doch tatsächlich beschäftigen sich nur wenige Artikel in diesem Buch ausgiebig mit dieser Frage. Die meisten Artikel stellen recht ausführlich die Handlung des Films dar, um dann anhand dessen die (vermeintliche) Brauchbarkeit psychoanalytischer Theorien darzustellen. Dabei entsteht der Eindruck, dass gerade die Filme ausgewählt wurden, die auf diese Theorien besonders gut passen, deren Regisseure vermutlich nur ihr Faible für die Psychoanalyse in ihren Filmen ausgelebt haben. Ob die Darstellung des Störungsbildes nun der Realität entspricht, erfährt der Leser meist nicht. Ich bezweilfe auch, dass nicht vorgebildete Leser aufgrund der Artikel stets eine genaue Vorstellung von den jeweiligen Störungen bekommen.
Besonders gestört hat mich, dass einige Autoren absurde, wenn nicht gar schädliche Theorien neu aufleben lassen. So wird in dem Beitrag über den Film "Wie in einem Spiegel" tatsächlich paranoide Schizophrenie als Folge der "Weitergabe von Familiengeheimnissen" (S.71) erklärt. Empirische Belege für diese Theorie liefern die Autoren hingegen nicht.
Der Schreibstil vieler Autoren ist zudem sehr schwerfällig, zumal psychoanalytische Fachbegriffe oft ohne Erläuterung verwendet werden, so dass Laien viele Beiträge gar nicht verstehen können.
Dennoch gelingt es in vielen Beiträgen, die Faszination der beschriebenen Filme deutlich zu machen und die Neugier des Lesers auf die Filme zu wecken. Welche Kunst hinter diesen Filmen steckt, wird durch die detaillierte Beschreibung der Handlungen sehr deutlich vermittelt.
Fazit: Für Freunde der Psychoanalyse, die gleichzeitig begeisterte Cineasten sind, sicherlich ein lesenswertes Buch. Bei allen anderen weckt das Buch zwar mitunter Lust auf einzelne Filme, ist aber sonst eher schwere Kost.