Francis Poulencs Oper "Dialogues des Carmélites" gehört zum Besten, was von einem Komponisten der Opernbühne im 20. Jahrhundert geschenkt wurde. 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführt greift dieses in einer sehr persönlichen, höchst eindrucksvollen Tonsprache gehaltene Werk die historisch verbürgte Geschichte einer Gruppe von Karmeliternonnen aus Compiègne auf, die während der Französischen Revolution zum Tod verurteilt wurden. Es ist aber auch eine sehr persönliche Auseinandersetzung von Poulenc und Georges Bernanos, der das zu Grunde liegende Theaterstück nach einer Novelle von Gertrud von le Fort verfasste, über Liebe, Treue, Angst (vor dem Tod), Glaube und Leben in einer Extremsituation, die dem ganzen Stück etwas Überzeitliches gibt.
In dieser Produktion der Mailänder Scala, aufgenommen im Teatro dei Arcimboldi (Ausweichbühne der Scala zur Zeit der Gesamtsanierung) 2004, bringt Regisseur Robert Carsen in einem asketisch mit nur ganz wenigen Requisiten ausgestatteten Bühnenbild eine ungeheuer dichte und faszinierende Inszenierung zustande.
Die Schluss-Szene lässt einen fast das Blut in den Adern gefrieren, wenn die Nonnen - einer nach der anderen - verstummen und man das Fallbeil mit unmenschlicher Präzision durch das Orchester schwirren hört. Hier wird Theater zum unmittelbaren Ereignis, das Leben und Tod in geradezu überwältigender Weise spürbar werden läßt; eine seltene Glanzleistung der Regie und Bühnengestaltung!
Musikalisch ist die Aufführung durch die auf Hochspannung gehaltene Leistung des Orchesters unter Leitung von Riccardo Muti und die Leistung aller Sängerinnen und Sänger absolut ebenbürtig. Ich möchte nur Anja Silja als sterbende Mutter Priorin des ersten Aktes erwähnen und Dagmar Schellenberger in der Rolle der Blanche de la Force. Aber auch alle anderen gehören hier dazu - eine Ensembleleistung, wie sie ihres Gleichen sucht.
Diese DVD - mit hervorragendem Klang und sehr guter Bildqualität - gehört zum absolut Besten, was es derzeit im Handel gibt. Ich hoffe, dass sich viele Liebhaber der Oper dieses zeitlos gültige Meisterwerk im wahrsten Sinne des Wortes zu Gemüte führen werden.