Das „Sir" zeigt schon, dass Drake (1540-1596) ein besonderer Pirat war - er wurde nämlich für seine Untaten geadelt, und zwar von keiner geringeren als der mächtigen Elisabeth I. Dieses Buch beschreibt nun, wofür: Amerika war gerade entdeckt, Englands Flotte noch unbedeutend, die neuen Kolonien fest in spanischer Hand. Drake war nun nach ersten abenteuerlichen Versuchen als Sklavenhändler der erste Engländer, der die bis dahin streng geheim gehaltene Magellan-Straße um Südamerika durchfuhr und eine Weltumsegelung schaffte. Auf der pazifischen Seite Südamerikas überfiel er die völlig überraschten Spanier, trickste allein eine überlegene Flotte aus - und luchste ihnen mehrere Schiffe voller Gold ab. Dieser Streich ist aber nur die Krönung seines ereignisreichen Lebens. Unglaublich, wie damals immer wieder Männer auf gefährliche Reisen gingen, bei denen die Überlebensquote bei nur ca. 50% lag!
Das Interessante: er hatte quasi einen paramilitärischen Geheimauftrag der Königin. Schröder beschreibt nicht nur das Piratenleben, sondern auch dessen geschichtliche Hintergründe und die Verbindungen zur Politik. Das Piratentum war letztlich zu einem Großteil staatlich geförderter Terrorismus im Kampf um die neuen Gebiete (!)
„Sir Francis Drake" ist ein flüssig geschriebenes und leicht lesbares Piratenbuch, das sich zunächst einmal an Jugendliche richtet. Die Story ist flott und relativ unreflektiert aus der Sicht von Francis Drake erzählt - will heißen, Folter, Sklaverei und Tod sind selbstverständliche Teile des Alltags, die nicht weiter kommentiert werden. Wenn Männer mit dem Wissen um einen grausamen Tod in der Folter von den Spaniern gefangen werden, sind sie im selben Moment von Drake abgeschrieben. Auch das Zusammenschießen eines 1000-Einwohner-Dorfes in Afrika, um Sklaven zu fangen, wird amüsant erzählt - kein Wort zu den Ungerechtigkeiten, die damals geschehen sind. Große Teile der Weltumsegelung von Südamerika nach England und außerdem Drakes große See-Schlacht als englischer Vize-Admiral gegen die Spanier, die ein eigenes Buch wert wäre, sind außerdem stark verkürzt auf wenigen Seiten zusammengefasst; was für eine vollständige Biographie zu kurz ist, ist der Spannung jedoch förderlich. Und wie so oft: mit dem schön aufbereiteten geschichtlichen Hintergrund, einfachen Aussagen, einer Weltkarte mit Drakes (und Magellans) Route ist das Buch auch für Erwachsene ein interessanter Einstieg.