Petrarca unternimmt die Besteigung des Mont Ventoux, weil er es schon immer wollte. Es war der Berg in seiner Nähe und dieser Anstieg bedurfte einer guten Vorbereitung. Nicht dass er den Proviant als das wichtigste ansah, es war die Auswahl seines Begleiters. Nicht zu redselig, nicht zu schweigsam, nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht jemand, der zuviel Mut verlangt, um um Hilfe zu bitten, kurzum ein Bruder, der ein Freund ist. Und so macht sich Petrarca auf dem Weg, sein Erlebnis und sein Gedanken umfassen dieses wunderschöne Büchlein des Insel-Verlages, welches mit Fotos der Region den Inhalt schmückt.
Zusammengefasst als Brief an einen Pater, der ihm die "Bekenntnisse " des Augustinus mit auf den Lebensweg gab. Und wie Petrarca den Weg ging, dass auf und ab des (Lebens)Pfades empfinden konnte, so konnte er auch die Umgebung in allen Himmelsrichtungen geographisch und bewundernd einordnen. Im Überschwang des Sehens der Außenwelt schlug er Augustinus' Buch der „Bekenntnisse" auf, das sein ständiger Begleiter war. Glaubwürdigkeit unterstellt, schlägt er die Seite auf, wo Augustinus schreibt, dass der Blick auf die Außenwelt ein tiefes Empfinden erzeugen kann aber nichts ist, gegen die Sicht ins tiefste Innere. ("Und es gehen die Menschen und bestaunen [...] und haben nicht acht ihrer selbst.")Und hier wird der Brief zu einer Einmaligkeit verknüpft. Wandern auf Wegen ist gehen eines Lebensweges und Vorrat ist in einem Selbst. Dieses Suchen nach dem Ich, nach sich selbst ist ca. im Jahre 400 von Augustinus geschrieben, 1336 von Petrarca aufgegriffen und war Lebenszweck bei Michel de Montaigne im 16. Jahrhundert, in seinen Essais bestens beschrieben, für die Goethe war es seine "Zitadelle", und taucht mit gleicher Leidenschaft auf in den Gedichten Rilkes, der es Weltinnenraum nennt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Stefan Zweig verweist in seinem unvollendeten Werk über Montaigne im Jahre 1942 ebenso auf dieses Streben oder Suchen nach dem Selbst.
Ein weiter Bogen eines Themas. Ein wunderbarer Brief des Francesco Petrarca.