Die Inszenierung von David Alden und Team ist in seiner Bildervielfalt und Farbenpracht ein ganz außergewöhnliches Meisterwerk, wie man es sehr selten sieht. Man muß sich vorher schon mit dem geschichtlichen Hintergrund vertraut machen, um dieses pralle "Satyricon" in seiner assoziativen Opulenz zu verstehen. Es werden Bildlandschaften von hinreissender Pracht und Atmosphäre geboten. Die Kostüme sind ein Mix aus vielen Epochen. Man könnte die Inszenierung als "Comedy veneziana" bezeichnen, ein Kabinett an Makabrem und amüsant Verspieltem und Hintersinnigem. "Comedy", aber im besten Sinne des Wortes. Die Ballettmusik ist zu diesem Werk Cavallis von Lully komponiert worden.
Sängerisch steht dem optisch Außergewöhnlichen ein ganz herausragendes Ensemble gegenüber, sodaß hier eine Aufführung auf einer Niveauebene erfolgt. Beispielhaft seien nur Luca Pisaroni als baritonal substanzvoller Ercole, Anna-Maria Panzarella als involvierende Dejanira und der umwerfend gestaltende Marlin Miller als Licco genannt. Nicht zu vergessen Anna Bonitatibus als Giunone mit einer hinreissenden Mezzotimbrierung der "besonderen Art", die auch eine wunderbare Irene in Tamerlano gesungen hat. Für Stimmenliebhaber vielleicht interessant.
Orchestral begeistert ein Concerto Köln unter Ivor Bolton mit prächtiger Farbsubstanz.
Wer Monteverdi,Lully,Rameau mag, muß diese Aufführung sehen.
Insgesamt ein Meisterwerk, das sich dem erschließt, der unvoreingenommen herangeht.
Aber eher nichts für Opernliebhaber, die sich dem rein Traditionellen verpflichtet fühlen, weil hier einfach grenzsprengend agiert wird.
Für alle, die das Außergewöhnliche lieben, ist diese Aufführung ein absolutes muß.