Wenn Paul von Schell über diese Biographie sagt (wie auf dem Umschlag zitiert), sie sei "sicher die am sorgfältigst recherchierte Biographie über meine Hilde", dann ist das nicht unbedingt ein Gütesiegel. Erstens trat der Witwer von Hildegard Knef relativ spät in ihr Leben (1976) und kann schwerlich beurteilen, was sich in den fünfzig Jahren zuvor wirklich zugetragen hat. Zweitens ist auch bekannt, dass er eifersüchtig über die Knefsche Lebenslegende wacht und Unliebsames auch schon mal durch einen Anwalt stoppen lässt. Aus diesem Dilemma versucht die Autorin Petra Roek das Beste zu machen- und das gelingt ihr zum Teil auch erstaunlich gut und mit fundiertem Wissen. Allerdings:hier wirbt der Klappentext damit, dass die Knef der Autorin selbst über ihre Karriere, Ehemänner und gesundheitlichen Probleme Auskunft gegegben hat. Davon ist im fertigen Text allerdings nicht allzu viel zu merken. Von wenigen Einsprengseln abgesehen, orientiert sich das Buch an den herkömmlichen Biographien, Überraschungen gibt es wenige. Positiv wirken allerdings die vielen Briefe und Photos aus dem Privatarchiv der Knef, die hier zum größten Teil erstmals veröffentlicht werden und selbst für eingefleischte Fans etwas Neues bieten dürften. Leider gilt das nicht für den Text. Petra Roek stieß nach eigenen Angaben Anfang der Achtziger zur Knefschen Entourage, um das Archiv zu ordnen. Aus dieser Zeit erzählt die Autorin leider sehr wenig. Irgendwie hat sei das Kunststück fertig gebracht, auf den über 300 Seiten 272 über Zeit vor ihrer Bekanntschaft mit der Knef zu schreiben. Inwieweit das dann alles stimmt, muss leider dahin gestellt bleiben, da auch die Knef selbst ihre Lebensgeschichte (das gibt auch die Autorin zu) immer wieder verändert hat. Lediglich 35 Seiten behandeln dann die Zeit, in der Petra Roek für die Knef gearbeitet hat. Diese Abschnitte sind allerdings wenig gelungen. Die Tourneen 80 / 81 und 1986 werden nur mit wenigen Worten erwähnt, es wird bis auf wenige Ausnahmen nichts über die gesundheitlichen Probleme der Knef gesagt, die jedoch ihre Karriere in den letzten Jahren (und gerade in den 80ern) maßgeblich behindert haben. Und genau das hinterlässt dann den Eindruck, dass die Autorin es sich nicht mit Paul von Schell verderben wollte, also nichts zu Negatives schreiben wollte. Dieses Gefühl befällt einen beim Lesen dieses Buches. Vieles wird nur angedeutet, anderes komplett verschwiegen und gerade über die 80er Jahre hätte man gerne mehr erfahren. Niemand (auch ich nicht) möchte die künstlerische Leistung der Knef schmälern, ihre einzigartige Begabung und ihre Stärke, aber an recht vielen Stellen wirkt "´Fragt nicht warum" wie viele andere Bücher nur glorifizierend. Erfrischend wird es immer dann, wenn Petra Roek sich traut, auch mal Fragen zu stellen, die über das Übliche hinaus gehen (wie z.B. in der Beziehung der Knef zu ihrem Bruder Heinz ). Sicher, auch ich möchte kein billiges Skandalbuch, aber so bleibt der Eindruck, die Autorin hätte sich nicht so recht getraut, darüber zu schreiben, was es eben auch gab und was in einem langen Künstlerleben vollkommen normal ist: ein paar Pleiten, ein paar Patzer, die einen Star ja auch menschlich machen. Alles in allem: ein Buch, das lesenwert ist, viele ungesehene Dokumente und Fotos beinhaltet, ansonsten aber stärker hätte sein können.