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Fragmente aus verlorenen Sommern: Gedichte
 
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Fragmente aus verlorenen Sommern: Gedichte [Englisch] [Gebundene Ausgabe]

Alexander Lernet-Holenia , Rüdiger Görner
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag Ges. m.b.H. (5. Februar 2001)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 3552051554
  • ISBN-13: 978-3552051553
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13,2 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Alexander Lernet-Holenia
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Pindar im Habsburgerreich

Alexander Lernet-Holenias Gedichte in einer Auswahl

Der Wiener Literat Alexander Lernet-Holenia (1897–1976) brachte es als Dramatiker schon in jungen Jahren zum Kleist-Preis. Seine Stücke sind inzwischen vergessen. Mehrere Renaissancen erlebt haben dagegen die Romane und Novellen des gebildeten Grandseigneurs: Abenteuer- und Kriminalgeschichten aus dem leicht verschrobenen k. u. k. Milieu der Offiziere, Beamten und Grundbesitzer von altem Adel, Unterhaltungsliteratur am Rand der Kolportage, geschrieben in einer schwerelosen, bisweilen an Leo Perutz erinnernden, sanft antiquierten, manieriert eleganten Sprache, um deretwillen auch Kollegen den monarchistischen Exzentriker hoch schätzten.

Lernet-Holenia selbst dagegen betrachtete seine überaus erfolgreichen erzählenden Werke – «Mars im Widder» etwa , «Beide Sizilien», «Die Standarte» oder «Der Baron Bagge» – als nicht ganz standesgemässen Zeitvertreib; Friedrich Torberg berichtet von dieser ironisch-verschämten Selbsteinschätzung des Dichters, der als Kavallerieoffizier im Ersten Weltkrieg diente und den Zweiten als Offizier der Wehrmacht bestritt, bevor er verwundet und zum Chefdramaturg der Heeresfilmstelle gemacht wurde.

Heilig war Lernet-Holenia nur seine Lyrik, die er – über bibliophile Ausgaben – einem kleinen Kreis zur Kenntnis brachte. Roman Rocek hat das etliche Einzelpublikationen umfassende Œuvre 1989 im Wiener Zsolnay-Verlag integral ediert; aus diesem gewichtigen Band hat Rüdiger Görner nun eine thematisch geordnete Auswahl getroffen und sie mit einem klugen Nachwort versehen. Der Band enthält die Essenz eines seltsam unzeitgemässen Werks von hohem Formbewusstsein. Es beginnt ganz im Bann Rilkes (was Karl Kraus veranlasste, den Autor als «Puerilke» zu verspotten); bald dringt es jedoch weiter zu den Quellen vor: zu Hölderlin, Dante, Pindar. Lernet-Holenia zeigt sich in all seinen lyrischen Texten als retrovertierter poeta doctus : als einer, der sich Borchardts Strenge wie Hofmannsthals Zierlichkeit zu eigen gemacht hat und selbst nach dem Zweiten Weltkrieg noch bei seiner polierten Formensprache bleibt. Er tut dies jedoch als offener Geist. So rühmt er Celans «Todesfuge», ein seinem eigenen Schaffen scheinbar so fremdes Gedicht, und verteidigt es vehement gegen den Vorwurf der Poetisierung des Holocaust. Gerade die Sublimierung in der Kunst präge dem Menschen das Schreckliche unauslöschlich ein, schreibt er mit Verweis auf die griechische Tragödie.

Gipserner Akademismus ist bei allem Bildungsprunk Lernet-Holenias Sache nicht. Es ist, paradox genug, die Omnipräsenz des Todes, die seine Gedichte am Leben erhält. Sie bewegen sich im Licht des Verlusts: Tradition und Identität sind dahin, was bleibt, ist allein die Sprache. Reverenzen an Foscolo und Leopardi, Shelley und Benn markieren die Fluchtpunkte des Anachronisten, der 1946 «Germanien» publiziert, ein Historienbild von steilem Pathos, in dem er – gerade er, der sich zuvor in eine ideologisch ähnlich prekäre Lage manövriert hat wie Ernst Jünger – die unveräusserliche deutsch-österreichische Schuld am Krieg und Völkermord in Verse zwingt.

Man findet in Lernet-Holenias Gedichten jenen Umgang mit den grossen Menschheitsworten wieder, der in den Jahren des Kahlschlags und sprachskeptischen Vorbehalts verpönt war. Der Dichter philosophiert in der Art eines etwas kauzigen, die Welt durchs Monokel betrachtenden Rittmeisters: wehmütig und mit leichter Hand. Wunderlich sind die virtuosen Selbstvergewisserungen zweifellos; den Spott aus dem Kreis um Karl Kraus haben sie jedoch nicht verdient. – Görners Auswahl, die sich einzig nach qualitativen Kriterien richtet, überzeugt; zu bedauern ist nur, dass die einzelnen Gedichte nicht datiert sind. Im Inhaltsverzeichnis liesse sich das bei einer späteren Auflage ohne grossen Aufwand nachholen.

Manfred Papst

Pressestimmen

"Gedichte, die zum Schönsten gehören, was die deutsche Sprache hervorgebracht hat." Ulrich Weinzierl, F.A.Z. "Es gilt, eine Entdeckung zu machen, die sich lohnt: 'Habsburgs letzten Dichter', den Wiener Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia. (..) Die Gedichte faszinieren - durch Sprache und Modernität." Münchner Merkur, 17./18.02.01 "Rüdiger Görners Auswahl überrascht. Ein großer Melancholiker der Moderne offenbart sich, der letzte Dichter aus der Tradition von Horaz und Pindar, Hölderlin und Rilke." Jörg W. Gronius, NDR 3, 3.4.01

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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Leser, verliere dich! 4. März 2001
Von Lahnstein
Format:Gebundene Ausgabe
Kann man sich einen verwilderten Garten vorstellen, der sich nach hinten auf eine uralte Kulturlandschaft öffnet, vorne aber von einer verkehrsreichen Straße in Wien begrenzt ist? Ein Garten, in dem noch Hölderlin und Rilke wuchs, ein Garten, in dem der Sage nach Pindar Gärtner war? Lernet goß seinen poetischen Impuls ohne weiteres in alte Formen, gleichgültig, ob diese ganz ausgefüllt wurden oder ob vieles überfloß. Im Café Holenia serviert uns Lernet stilvoll einen manchmal nicht recht heißen Doppelten - stellt aber ein Glas frischestes, um nicht zu sagen heiliges Wasser daneben. Leser, riskiere es! Du kannst dich nicht nur von Texten, vom Knäckebrot aus Mehl von der Skrupelmühle ernähren. Rüdiger Görner hat das Verdienst, die vor einiger Zeit gesammelt erschienene (und inzwischen nicht mehr erhältliche) Lyrik Lernet-Holenias durchforstet zu haben und präsentiert eine Auswahl vom oft atemraubend Schönsten.
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