Kann man sich einen verwilderten Garten vorstellen, der sich nach hinten auf eine uralte Kulturlandschaft öffnet, vorne aber von einer verkehrsreichen Straße in Wien begrenzt ist? Ein Garten, in dem noch Hölderlin und Rilke wuchs, ein Garten, in dem der Sage nach Pindar Gärtner war? Lernet goß seinen poetischen Impuls ohne weiteres in alte Formen, gleichgültig, ob diese ganz ausgefüllt wurden oder ob vieles überfloß. Im Café Holenia serviert uns Lernet stilvoll einen manchmal nicht recht heißen Doppelten - stellt aber ein Glas frischestes, um nicht zu sagen heiliges Wasser daneben. Leser, riskiere es! Du kannst dich nicht nur von Texten, vom Knäckebrot aus Mehl von der Skrupelmühle ernähren. Rüdiger Görner hat das Verdienst, die vor einiger Zeit gesammelt erschienene (und inzwischen nicht mehr erhältliche) Lyrik Lernet-Holenias durchforstet zu haben und präsentiert eine Auswahl vom oft atemraubend Schönsten.