(basierend auf der US-Version)
Fragile - wohl eines der Spiele auf das viele Gamer lange gewartet haben, aber kann es auch halten was es offenbar versprochen hat? Für alle Freunde von Kurzrezensenten hier ein: Ja und Nein. Der Rest darf jetzt weiterlesen, denn ich will - wie so oft - in's Detail gehen.
Fragile wurde von der Softwareschmiede tri-Crescendo "verbrochen", ein Studio das RPG-Liebhabern durchaus bekannt vorkommen sollte, haben die kreativen Köpfe dort Perlen wie Baten Kaitos oder Eternal Sonata erschaffen. Wo diese Titel aber durchaus noch eher den Geschmack des Mainstream bedienen geht Fragile völlig andere Wege.
Was bei der Story noch nicht zwingen klar wird entpuppt sich recht schnell zu dem was Fragile deutlich hervorhebt: Der Spieler - der die Rolle von Seto übernimmt - ist so ziemlch alleine auf der Welt und muss zu einem Turm im Osten gehen (ich glaube es war Osten, man darf mich gerne verbessern). Ich rede hier gewiss nicht von der Reise zu einem Turm, sondern von dem Schwerpunkt der Einsamkeit. Trifft Seto auf andere Figuren so sind diese entweder Geister, nicht wirklich menschlich, oder rennen sofort weg. Heißt unter'm Strich: Der Kern des Titel ist absolute Leere.
Dies zieht sich freilich auch durch die Umgebungen wie ein roter Faden. Verfallene Gebäude - sei es nun eine U-Bahn Station oder ein Hotel - zugewucherte Wälder und ein durchaus oft eingesetzter Mond an einem noch nie dagewesenen Sternenhimmel, umgarnt von einer permanenten Aurora Borealis. Was an Leben fehlt wird einfach durch absolut genial inszenierte Tristesse wieder wett gemacht - ein großes Plus.
Was ist aber mit dem eigentlichen Gameplay? Nun, hier ist es ein "love it or hate it". Ja, auch im Gameplay kommt die Einzamkeit durch, denn Gegner gibt es durchaus, sogar in Gruppen, aber das Hauptaugenmerk liegt wirklich eher im Erkunden der kaputten Welt. In Anbetracht dieser Tatsache ist es natürlich verständlich dass gefundene Objekte an einem Lagerfeuer - dem Speicherpunkt in Fragile - in kurzen Sequenzen eine Geschichte erzählen. Leider kommt das oft so geballt dass ich mir wünschen würde das Getexte würde schneller vorbei sein. Verständlich ist unter dem Aspekt aber auch dass die Waffen sehr schnell brechen und man dann schnellstmöglich Ersatz finden muss. Der sehr begrenzte Rucksack des Protagonisten lässt nämlich auch nicht unbegrenzte Gegenstände zu - sondern ganz Survival Horror-like nur eine begrenzte Stückzahl. Auslagern kann man aber zu jeder Zeit an Speicherpunkten. Nun aber mal ehrlich: Dass Gegenstände schon ganze Romane "verzapfen" kann man noch verkraften - immerhin sind Texte ja recht rar im restlichen Spiel, aber das limitierte Gegenstandsmenü und das Brechen von Waffen ist nicht wirklich noch zeitgemäß. Natürlich hat es seine Berechtigung, aber vorallem DAS mag für viele Spieler einen Strich durch die Rechnung machen.
Der Kampf - wenn denn überhaupt mal - ist auch so eine Sache. Klare Knopfbefehle, keine Spielchen mit der Wiimote. Wieso auch, wo es doch funktioniert? Leider macht sich das Fehlen eines LockOn manchmal aber doch negativ bemerkbar, wieso manch ein Kampf schnell unausgefeilt wirken mag. Vorallem wenn man gegen fliegende Feinde kämpfen muss kommt Seto kaum mit dem Umdrehen und manuelle anvisieren nach, was zu herben Energieverlusten führen kann. AUTSCH!
Abgesehen davon erfüllt Fragile aber durchaus seinen Job, selbst was die wohl einzig wirklich auf die Wii zugeschnittene Steuerung angeht: Die Taschenlampe. Ganz im Stil von Silent Hill oder anderen Vertretern der digitalen Taschenlampen-Simulation leuchtet Seto automatisch dorthin, wo man den Pointer bewegt. Hier auch ein Schnitzer, denn wenn etwas im Vordergrund liegt und der Pointer auf dieses Objekt fällt, so kann es sein dass Seto sich kurzzeitig in diese Richtung dreht. Ein Mangel an Spielbarkeit entsteht dadurch aber nicht.
Optisch und Musikalisch gibt es nichts zu meckern. Vorallem optisch wird viel aufgefahren - überwiegend aber kleine Details, die überzeugen. Die Augen von Katzen funkeln in der nacht, wenn das Licht geschickt fällt, überall hängen Poster und Zettel, ja sogar Schilder die betrachtet werden können und deren nicht ganz konsequente Übersetzung dann anzeigt was man sich anschaut. All diese Dinge machen den Charme aus, auch wenn die monotone Leere der Welt permanent überwiegt und kaum Neues bietet.
Die BMG ist sporadisch, also kaum vorhanden, sondern alles ist eher an den Umgebungsgeräuschen orientiert. Die Sprachausgabe durchaus gut, wenn auch wieder etwas überzogen und zwar dadurch dass erwachsene Synchronsprecher wie Kinder klingen wollen. Vorallem Kreischgirlies können in den Ohren schmerzen, aber die Arbeit ist schon positiv zu attestieren. Wer die US-Stimmen nicht mag kann auch wahlweise auf die japanischen Tonspur schalten - ist ja für viele auch nicht gerade unwichtig. Die japanischen Sprecher leisten ebenfalls gute Arbeit, aber auch hier wirken manche Stimmen wohl etwas schrill.
Auch erwähnenswert ist der durchaus hohe Anime/Manga-Anteil. Ich will damit sagen dass Verhasser von Kulleraugen einen Bogen um dieses Werk machen sollten und solche die einige andere japanophile Dinge nicht abkönnen einen noch größeren Bogen. Warum? Nun, neben typisch japanischen Geistererscheinungen wie man sie aus Ghibli-Filmen kennt, und die nicht jedem gefallen, gibt es zum Beispiel eine Szene in der sich zwei Jungen küssen. Selbst wenn man beachtet dass das durchaus eine Anspielung auf die Kuss-Szene aus Peter Pan ist höre ich hier nicht nur ein "IST DAS SCHWUL" von diversen männlichen Zockern, sondern auch Gekreische bei "Yaoi-Girlies". Die Empfehlung als Anime/Manga-Hasser einen Bogen zu machen ist also sehr ernst! Übrigens sei hier auch an alle "Japanexperten" gesagt dass eine gewisse Figur zwar "Kuro" im Japanischen gesprochen wird, sich aber Kurou schreibt, was für "Crow", also Krähe steht. So heißt auch ein gewisser Film, sei nur mal angemerkt.
Was kann man also kurzum zu Fragile sagen? Wer ein konventionelles RPG oder Action Adventure sucht wird nicht fündig. Wer ein Survival Horror Spiel vermutet wird enttäuscht. Man könnte sagen es ist ein Mix aus beiden Sparten und dann auch noch ordentlich ein LIGHT dahinter geschrieben. Wer sich darauf einlässt bekommt aber eines der wohl optisch schönsten (und damit meine ich nicht es sei eine Grafik-Bombe) Spiele der letzten Zeit geboten und mitunter auch eines mit der wohl tragischsten Geschichte. Die große Depression der Videospiele - wer schon immer mal über ein Radio weinen wollte wird hier fündig.