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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer sich kennenlernen möchte, der lese dieses Büchlein, 27. August 2003
Zugegeben, lesen im Sinne von fressen, verschlingen oder inhalieren lässt sich dieses dünne Büchlein nicht. Man muss es vielmehr denken, häppchenweise zu sich nehmen, vorsichtig genießen, verdauen, sich schrittweise vorantasten von Frage zu Frage, wieder innehalten, grübeln. Frischs Fragebögen fangen einen aufmerksamen Leser weitaus stärker als so mancher dickleibige Belletristik-Wälzer. Denn hier ist kein unterhaltsames Dahindämmern in einer Parallelwelt möglich, sondern es ist richtig Gripsgymnastik gefragt. Nicht im Sinne von Denksport, sondern um sich selbst einzuordnen, seine Gedanken ziehen zu lassen, die eigene Haltung zu den Dingen zu überprüfen, sich von außen betrachten zu lernen. Oft setzt Frisch einer ohnehin schon spannenden Frage noch eine weitere drauf, die der vorangegegangenen eine völlig unerwartete und neue Richtung verpasst. Man ertappt sich selbst bei Schnoddrigkeiten, um sich wenig später darüber zu amüsieren. Am besten legt man auch gleich Papier und Stift bereit, um eigene Eingebungen festzuhalten. Dieser Fragebogen klimpert lustig durch die Saiten der eigenen Persönlichkeit wie eine flache Hand über eine Harfe. Aus den Fragen lassen sich z.B. auch baukastenartig komplexe Persönlichkeiten konstruieren - beispielsweise um selbst eine Geschichte aus ihnen zu entwickeln. Überaus anregend und lohnend!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterhaft., 12. September 2002
Jeder Fragebogen ist ein Volltreffer. Max Frisch nähert sich den einzelnen Themen von unterschiedlichen Seiten, immer wieder überraschend, auch und gerade, wenn man eine Frage beantwortet hat und die nächste Frage die eben geäußerte Meinung ins Wanken bringt. Natürlich gibt es kein "Richtig" oder "Falsch", auch keine vorgesehene Auswertung der Antworten. Und doch weiss wahrscheinlich jeder hinterher, wo er mit sich selbst im Unreinen ist, wo er sich in Widersprüche verwickelt hat, wo er sich vielleicht auch noch nie in seinen Gedanken herangetraut hat. Es ist eine schöne Art, mit den durch die Fragebogen adressierten Themen umzugehen. Nebenbei: Wer über die Fragebogen hinaus an den Werken von Max Frisch interessiert ist, findet sie auch verteilt in seinen beiden Werken "Tagebuch 1966-1971" und "Tagebuch 1946-1949".
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36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genial hinterhältig, 4. Dezember 2005
"Wieviel Aufrichtigkeit von einem Freund ertragen Sie in Gesellschaft oder schriftlich oder unter vier Augen?" -- "Wenn Sie einen Menschen in der Badehose treffen und nichts von seinen Lebensverhältnissen wissen: woran erkennen Sie nach einigem Gespräch [...] trotzalledem den Reichen?" -- "Haben Sie schon einmal gemeint, daß Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen: [...] (f.) die Unordnung in den Schubladen?" Fragen sind das... Und der erste Gedanke, der sich beim Lesen einstellt: Woher weiß der das nur?! Dieses Buch enthält alle "Fragebögen" aus Max Frischs "Tagebuch 1966-1971", wo sie auch als gliederndes Moment dienen. Hier nun, aus dem damaligen Kontext herausgelöst, entwickeln die Fragebögen eine ganz eigene Dynamik -- dass sie gescheit und hinterhältig sind, wusste man, aber wie gescheit und wie hinterhältig sie tatsächlich sind, das zeigen sie erst, wenn sie ohne Kontext wirken können... (Freilich, wer das "Tagebuch 1966-1971" bereits hat, kann die "Fragebögen" am Stück lesen und braucht das vorliegende Buch nicht) Fragebögen sind das, die so ganz anders sind als die Zeittotschläger, die man aus Zeitschriften zum Zeittotschlagen kennt. Frisch formt dieses Genre zur literarischen Gattung und umkreist damit die existentiellen Fragen des Lebens: Die Bedeutung des Individuums, Ehe, das Verhältnis von Männern zu Frauen, Hoffnung, Humor, Geld und Besitz, Freundschaft und Liebe, Heimat, Tod. Besonders hinterhältig sind natürlich die Nachhaker, diese "Warums" im Nachklapp: "Fürchten Sie sich vor den Armen? "Warum nicht?" -- Frischs Metier ist es, das scheinbar Selbstverständliche in Frage zu stellen. Wie er hier mitunter im unschuldigsten Tonfall die Sicherheiten aushebelt und den Blick auf unerwartete Abgründe freigibt, grenzt ans Geniale. Mit wenigen Fragen, die bereits signalisieren, dass sie kaum ehrlich beantwortet werden, umreißt Frisch hier komplexe Charakterisierungen; hinter jederm Fragebogen lauert bereits ein heimlicher Roman -- wenn's denn nur einer ist. Übrigens: Die Frage nach dem Reichen in der Badehose konnte ich erst Jahrzehnte, nachdem ich sie zum ersten Mal gelesen hatte, beantworten...
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