Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genial hinterhältig, 4. Dezember 2005
"Wieviel Aufrichtigkeit von einem Freund ertragen Sie in Gesellschaft oder schriftlich oder unter vier Augen?" -- "Wenn Sie einen Menschen in der Badehose treffen und nichts von seinen Lebensverhältnissen wissen: woran erkennen Sie nach einigem Gespräch [...] trotzalledem den Reichen?" -- "Haben Sie schon einmal gemeint, daß Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen: [...] (f.) die Unordnung in den Schubladen?" Fragen sind das... Und der erste Gedanke, der sich beim Lesen einstellt: Woher weiß der das nur?! Dieses Buch enthält alle "Fragebögen" aus Max Frischs "Tagebuch 1966-1971", wo sie auch als gliederndes Moment dienen. Hier nun, aus dem damaligen Kontext herausgelöst, entwickeln die Fragebögen eine ganz eigene Dynamik -- dass sie gescheit und hinterhältig sind, wusste man, aber wie gescheit und wie hinterhältig sie tatsächlich sind, das zeigen sie erst, wenn sie ohne Kontext wirken können... (Freilich, wer das "Tagebuch 1966-1971" bereits hat, kann die "Fragebögen" am Stück lesen und braucht das vorliegende Buch nicht) Fragebögen sind das, die so ganz anders sind als die Zeittotschläger, die man aus Zeitschriften zum Zeittotschlagen kennt. Frisch formt dieses Genre zur literarischen Gattung und umkreist damit die existentiellen Fragen des Lebens: Die Bedeutung des Individuums, Ehe, das Verhältnis von Männern zu Frauen, Hoffnung, Humor, Geld und Besitz, Freundschaft und Liebe, Heimat, Tod. Besonders hinterhältig sind natürlich die Nachhaker, diese "Warums" im Nachklapp: "Fürchten Sie sich vor den Armen? "Warum nicht?" -- Frischs Metier ist es, das scheinbar Selbstverständliche in Frage zu stellen. Wie er hier mitunter im unschuldigsten Tonfall die Sicherheiten aushebelt und den Blick auf unerwartete Abgründe freigibt, grenzt ans Geniale. Mit wenigen Fragen, die bereits signalisieren, dass sie kaum ehrlich beantwortet werden, umreißt Frisch hier komplexe Charakterisierungen; hinter jederm Fragebogen lauert bereits ein heimlicher Roman -- wenn's denn nur einer ist. Übrigens: Die Frage nach dem Reichen in der Badehose konnte ich erst Jahrzehnte, nachdem ich sie zum ersten Mal gelesen hatte, beantworten...
|
|
|
39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer sich kennenlernen möchte, der lese dieses Büchlein, 27. August 2003
Zugegeben, lesen im Sinne von fressen, verschlingen oder inhalieren lässt sich dieses dünne Büchlein nicht. Man muss es vielmehr denken, häppchenweise zu sich nehmen, vorsichtig genießen, verdauen, sich schrittweise vorantasten von Frage zu Frage, wieder innehalten, grübeln. Frischs Fragebögen fangen einen aufmerksamen Leser weitaus stärker als so mancher dickleibige Belletristik-Wälzer. Denn hier ist kein unterhaltsames Dahindämmern in einer Parallelwelt möglich, sondern es ist richtig Gripsgymnastik gefragt. Nicht im Sinne von Denksport, sondern um sich selbst einzuordnen, seine Gedanken ziehen zu lassen, die eigene Haltung zu den Dingen zu überprüfen, sich von außen betrachten zu lernen. Oft setzt Frisch einer ohnehin schon spannenden Frage noch eine weitere drauf, die der vorangegegangenen eine völlig unerwartete und neue Richtung verpasst. Man ertappt sich selbst bei Schnoddrigkeiten, um sich wenig später darüber zu amüsieren. Am besten legt man auch gleich Papier und Stift bereit, um eigene Eingebungen festzuhalten. Dieser Fragebogen klimpert lustig durch die Saiten der eigenen Persönlichkeit wie eine flache Hand über eine Harfe. Aus den Fragen lassen sich z.B. auch baukastenartig komplexe Persönlichkeiten konstruieren - beispielsweise um selbst eine Geschichte aus ihnen zu entwickeln. Überaus anregend und lohnend!
|
|
|
36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer bin ich? Was will ich?, 13. Juni 2004
Lange, bevor die so genannten Fragebögen und Psychotests en vogue waren schrieb Max Frisch seine Fragebögen zu den Themen, die uns alle im Inneren bewegen. Der Kreis umfasst die Themen Menschheit, Ehe, Frauen, Hoffnung, Humor, Geld, Freundschaft, Vaterschaft, Heimat, Eigentum und Tod. Hier ein paar Auszüge aus den Fragen: - Wenn Sie die Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig erscheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? - Hätten Sie von sich aus die Ehe erfunden? - Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die Nächste? - Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben? - Haben Sie Humor, wenn Sie allein sind? - Fürchten Sie sich vor den Armen? - Was würden Sie einem Freund nie verzeihen? - Können Sie sich ohne Kinder vorstellen? - Hat Heimat für Sie eine Flagge? - Wem gehört Ihres Erachtens beispielsweise die Luft? - Was stört Sie an Begräbnissen? Sie merken nun an mancher Stelle, wie man sich an den Fragen verfängt und wie sie einen packen. Wenn Sie durch die Auswahl Appetit bekommen haben, müssen Sie sich praktisch dieses Buch kaufen - nur zu!
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|