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5.0 von 5 Sternen
Erotische Filmperle, 13. März 2004
Frühstück bei Ihr
Man muß sich bei „Frühstück bei ihr" immer die Zeit vergegenwärtigen, in der diese ernsthafte Liebeskomödie entstand. In den frühen 90ern erlebten im amerikanischen Showbiz sexy Frauen über 40, wie Cher und Tina Turner, eine nie dagewesene Beachtung. Diesem Trend folgte Hollywood bei der Entscheidung, die Romanze zwischen „Nora", einer reifen Schnellimbissangestellten (Susan Sarandon) und „Max", dem um 16 Jahre jüngeren, um seine verstorbene Frau trauernden jüdischen Yuppie (James Spader), zu verfilmen. Doch schienen die Macher damals dem eigenen Konzept nicht zu trauen, dass die Liebe allein alle Unterschiede in Klasse, Kultur, Interessen und vor allem im Alter überwinden kann. Nur so ist zu erklären, warum die Nebenfiguren aus dem jüdischen Umfeld so grässlich klischeehaft und oberflächlich daherkommen, dass dem armen Max eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt, als Rettung in den Armen Noras zu suchen. Auch dass Noras große Schwester unbedingt eine Esoterikerin mit einem Draht zum Übersinnlichen sein muß, um als einzige im Film einen unverstellten, vorurteilsfreien Blick auf die Herzen der Liebenden werfen zu können, passt in dieses Bild. Trotzdem ist „Frühstück bei Ihr" eine richtige Perle des Liebesfilmes, was er vor allem den beiden Hauptdarstellern zu verdanken hat. Der junge James Spader ist zum Niederknien niedlich, und zeigt, dass er zudem auch noch hervorragend schauspielern kann: über eine lange Sequenz mimt er oscarreif den Betrunkenen (Tip: unbedingt mal den Originalton einstellen!), ein andermal bricht er in Großaufnahme von eben auf jetzt sturzbachartig in Tränen aus. Und dann die 42jährige Susan Sarandon - endlich mal keine ebenmäßige Hollywoodschönheit, sondern ein interessanter Typ mit starker Ausstrahlung. Sie schafft es, Noras widersprüchlichen Charakter glaubhaft zu verkörpern: einerseits so kindlich lebendig und verletzlich zu sein wie Noras Vorbild Marilyn Monroe, andererseits abgeklärt und souverän genug, dem manchmal schnöseligen Lover zu zeigen, wo der Hammer wirklich hängt. Am nachhaltigsten im Gedächnis verhaften bleibt zweifelsohne die unglaublich heiße Couchszene zwischen Nora und Max, in der die Ältere dem Trauerkloß ein zärtlich-bestimmtes sexuelles Wiederauferwecken beschert. 1990 bemängelte ein amerikanischer Filmkritiker das Happy-End des Filmes und wie unrealistisch es doch sei, dass ein junger Mann sich länger an eine so viel ältere Frau binde. 14 Jahre später habe ich „Groupies forever" gesehen und Susan Sarandon bei der Oscar-Verleihung an der Seite ihres Mannes Tim Robbins, der in Spaders Alter ist. Es ist phänomenal, wie viel natürliches Sex-Appeal „die Sarandon" immer noch ausstrahlt, und wie spurlos die Zeit an ihr vorüberzugehen zu scheint. Und James Spader hat sich in der Zwischenzeit in der amerikanischen Independent-Filmszene sehr erfolgreich eine Nische für erotisch-provokative Rollen erschlossen („Secretary", „Crash"). Das macht es so überaus reizvoll, „Frühstück bei Ihr" noch heute in Gedanken weiterzuspinnen und zu bemerken, „Ätsch, ihr Kritiker, ihr habt ja überhaupt keine Ahnung - Max und Nora wären mit Sicherheit noch zusammen - und wie!!!" Sonja Ohrendorf
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