"Die Welt ist nicht genug" war einmal der Titel einer "James Bond"-Verfilmung. Nach der Lektüre dieses Bandes möchte man dieser Aussage widersprechen - bietet die Welt doch eine ungeheure Vielfalt an Entdeckungen, die teils recht unvorstellbar daherkommen.
Die Erzählungen einiger der renommiertesten deutschen Journalisten der Nachkriegszeit erstrecken sich vom Regenwald Neuguineas, wo ein Steinzeitvolk besucht wird, das bis dato überhaupt keinen Kontakt mit der "Zivilisation" hatte über das facettenreiche Porträt Japans anhand der Stadt Tokyo bis in den Großstadtdschungel New Yorks, wo Andreas Altmann die faszinierendste und auch ungeheuerlichste Reportage über das Leben Crack-Abhängiger geschrieben hat. Altmanns Reportage ist auch Kischs Stil in Timing und atemlosem Eintauchen in die beschriebene Welt am nächsten - nicht umsonst ist der Autor Kisch-Preisträger. Zumindest auf diese Reportage wäre der gute alte Egon Erwin stolz gewesen.
Daneben finden sich Artikel aus 20 Jahren GEO - der wohl lange Jahre anerkanntesten deutschprachigen Reportagezeitschrift -, reichend von einem Einödhof in der Oberpfalz über ein Dorf in El Salvador am Rande des Bürgerkriegs bis hin zu einem Bericht über die Großstadt Tokio.
Es finden sich aber auch spezifisch deutsche Themen wie eine Reportage über ein Behindertenheim am Bodensee wie auch ein heute historisch anmutende Reportage über brandneue Trends in Supermärkten auf der grünen Wiese.
Insgesamt ist das ein sowohl geographisches wie auch darüber hinaus reichendes Panorama bis hin zu einem Bericht über die erste weltweit dank Telegrafie sofort "verfügbare" Explosion des Krakatau in Indonesien 1883, das fast immer überzeugt und die Möglichkeiten zeigt, die dem Medium Reportage innewohnen. Bei einigen Autoren wird man hinterher mehr lesen wollen.