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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Annäherungen an sich selbst.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie: Eine Kindertragödie. Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
"Wunsch, Wille, Handlung: real oder in seiner Phantasie scheint unbegrenzt. Nur dort wo Wille ist, ist Urheberschaft, ist Ich. Da wo eigene Entscheidung ist, ist eigener Wille, wo Manipulation die Entscheidung scheinbar als eigene girlandet, wird man in der Nachträglichkeit des Überlegens zum "Lakai eines fremden Gedankens", wie Dostojewski es treffend formulierte. Und doch sind wir Menschen aus dem Kontext der Kernfamilie gebunden an Regeln und Vorstellungen, an Gedanken und moralischen Werten. Diese Familie ist wie eine "sanfte Sekte", deren Gedankengut wir in Übereinstimmung oder in kritischer Distanz überblicken und vielleicht in einigen Provinzen des Denkens zur Freiheit verhelfen". Dieses schrieb ich als Rezension zu Bieries "Das Handwerk der Freiheit".Frank Wedekind (1864-1918) sieht Gesellschaft und Religion als Maßstab der Familientradition vorherrschend und damit die Familie, gezwungen in ein Korsett der Konventionen als seine familiäre Sekte, deren Voraussetzungen die pubertierenden Kinder Wendla Bergmann und die beiden Freunde Moritz Stiefel und Melchior Gabor ausgesetzt sind. Diese drei stehen als Repräsentanten der Folgen einer moralischen Überhöhung in Schule, Elternhaus und Gesellschaft. Wedekind zeigt an diesen Beispielen, wie Wachstum und Wandel gestört, Ehrlichkeit und Verbundenheit abhängig von Moral gehalten werden und die psycho-religiöse Gesellschaft Unterdrückung menschlicher Selbsterkenntnis fördert Wendla wird von ihrer Mutter im falschen Scham zur kindlichen Unwissenheit in Sexualfragen verdammt, Moritz verzweifelt am Leben, quält sich durch Angst an allem und jenen, Pflichterfüllung in Schule und Elterhaus überfordern ihn, sein Ehrgeiz wird selbst zerstörerisch. Melchior erscheint fester in sich ruhend, ist aufgeklärt durch gewisse Lektüre, unproblematisch in Schule (nahezu bester) und Elternhaus, dank einer sehr vernünftigen, natürlichen und aufgeklärten Mutter. Melchior will seinem Freund über die Zeit der pubertierenden Selbstquälereien helfen und übergibt ihm sein selbsterstelltes Aufklärungsheft. Ansonsten lesen beide Faust, die Gretchenszene rückt ins Zentrum ihrer Betrachtung. Fausts Unrecht wird thematisiert, Unrecht erleiden für süßer gehalten, als Unrecht tun. (vgl. Sokrates in Platons Gorgias) Süßes Unrecht gar als Inbegriff der irdischen Seligkeit (2.1) für Moritz. Doch Melchior der Handelnde, will kein Almosen und interpretiert nach Shakespeares Art das zarte Nein für ein warmes Ja. Moritz gelingt es nicht aus dem Grübeln zu kommen, seine Schulleistungen liegen brach, er wird nicht promoviert (versetzt), denkt an Flucht nach Amerika, entscheidet sich für die Flucht aus dem Leben. Melchior begegnet der unaufgeklärten Wendla, diese erregt ihn, in dem sie ihn bittet, sie zu schlagen, eine sadomasochistische Ausprägung bei Wedekind, und während eines Folgetreffens im Heu verführen die beiden sich. Melchior wurde nach dem Freitod Moritz von der Schule verwiesen, weil er als Auslöser der Verzweifelungstat angesehen wurde, allerdings als Mittel zum Zwecke der Reinhaltung der Schule wie der Lehrer. Seine Eltern zogen eine Besserungsanstalt in Erwägung, Melchior flieht, Wendla ist schwanger, eine von einer Nachbarin initiierte Abtreibung überlebt sie nicht. Melchiors Flucht aus dem Besserungsheim zwingt zum Besuch des Friedhofs. Er fühlt sich schuldig am Tode Wendlas, er sucht ihr Grab und begegnet Moritz, er trägt seinen Kopf unter dem Arm. (heute noch ein Sprichwort) Die beiden Freunde sehen sich wieder, Moritz fühlt sich allein und preist den Tod, versucht Melchior zu bewegen, ihm die Hand zu geben, damit er folge. Doch Melchior weigert sich, glaubt den Worten nicht und unerwartet und zufällig erscheint ein vermummter Herr, offeriert mephistophelesk das Leben und trotz erstem Unglauben entscheidet sich Melchior für das Leben. Einzig er überlebt eine Kindertragödie, wie der Untertitel in Wedekinds bewegtem Drama ist. Wedekind selbst wurde von Büchner inspiriert. Sein Bild von der Religiosität in der Gesellschaft und deren Umgang damit entstammt aus dieser Auseinandersetzung. Büchners Lenz fügte sich fromm zu lauter Frommen und ihm wurde einsam. Wedekinds Pubertierende suchten aus der Leere nach der Fülle des Lebens, lieber sich im Furchtbaren einrichten, als nichts zu sein. Wedekind beschreibt die Schule als grotesk, die Namen der Lehrer werden ins Lächerliche transferiert. Die Lehrer scheinen Bewahrer des Toten, der geregelten Gesellschaft, als Verhinderer eines Wandels. In der Familie (3.1) zeigt sich der Widerstreit zwischen Natur und Vernunft, zwischen Blut und öffentlicher Moral, zwischen Mutter und Vater. Wissen und Wollen als Basis eigener Verantwortlichkeit, entscheiden im Sinne von Prinzip gemäß toter Buchstaben im Gegensatz zur Liebe, Verständnis und Lebensbegleitung. Erst als das Vergehen der Vergewaltigung klar ist, gewinnt die Moral als überhöhte Instanz das Recht. Der vermummte Herr fasst es zusammen: Moral ist das Produkt der imaginären Größen aus Sollen und Wollen. Moritz aus dem Grabe ist die Verkörperung des Todes am Modell Nietzsche. Man hat den Tod nahe genug, um sich nicht vor dem Leben fürchten zu müssen. So ist Moritz als Metapher für Melchior genau die Botschaft, dem vermummten Herrn zu folgen. Wedekind hat sicher Musil zum Törleß und beide dann Robert Walser zu Jakob von Gunten inspiriert. Die Unendlichkeit im Denken und Sehen tritt sowohl bei Wedekind wie bei Musil auf, letztendlich finden wir sie in Nietzsches Morgenröthe: Unendlichkeit des Erkennens und damit im unendlichen Prozess der Selbsterkenntnis. Es gibt damit nur Annäherungen an sich selbst. Mit Nietzsches Philosophie im Kopf ist Wedekind Anstifter zu diesem Abenteuer des Frühlings Erwachen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gutes Drama, aufgrund der Erläuterung wichtiger Themen,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie: Eine Kindertragödie. Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
Im Mittelpunkt des Dramas stehen die beiden Gymnasiasten Melchior Gabor und Moritz Stiefel. Melchior Gabor ist ein intelligenter und vor allem aufgeklärter Junge, mit einer für die damalige Zeit liberalen Mutter, doch gerade sein fortschrittliches denken bereitet ihm später Probleme. Moritz Stiefel hingegen ist das Gegenteil von Melchior. Er hat eher schlechte Leistungen in der Schule und wird von melchior unterstützt, indem dieser ihn schriftlich aufklärt. Eine weitere wichtige Person des Dramas ist Wendla Bergmann. Sie ist ein wissbegieriges, 14jähriges Mädchen mit einer für die damalige Zeit üblichen Mutter. Sie wurde nie aufgeklärt, glaubte bis zu ihrem 14. Lebensjahr an den Storch und hat auch danach völlig falsche Vorstellungen vom Kinderkriegen, was ihr später zum Verhängnis wird.Frank Wedekind klagt in diesem Stück die Gesellschaft des vorigen Jahrhunderts an. Er zeigt deutlich, was Lügen zwischen Eltern und Kindern anrichten können. Das Drama ist auch heute noch interessant zu lesen, da es viele Themen, die damals verschwiegen wurden, bearbeitet, die auch heute noch wichtig sind. Obwohl die Handlungen zur Sexualität nur indirekt angedeutet werden, kommt man nicht drum herum sie zu erkennen. Dadurch dass Wedekind die verschiedensten Themen erläutert, ist das Buch mitreißend. Dieses Buch wird nie an Aktualität verlieren. Obwohl das Buch beim ersten Lesen nicht ganz verständlich ist, da man es erst durch Bearbeiten der Szenen richtig verstehen kann, will man es bis zum Schluss durchlesen. Gerade aufgrund der Unverständlichkeit mancher Szenen, die man auch nicht beim zweiten Lesen versteht, erschwert dies das Lesen und das Verständnis des Dramas. Auch durch die veralterte Sprache wird einem manchmal nicht klar, was die einzelnen Personen damit sagen wollen. Abschließend kann man jedoch sagen, dass es ein sehr interessantes und lesenswertes Buch ist, das man auf jeden Fall einmal gelesen haben sollte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Schade, dass man nicht Null Sterne geben kann,
Rezension bezieht sich auf: Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie: Eine Kindertragödie. Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
Ich musste mir das Buch für die Schule kaufen,solltet ihr nicht in dieser Zwigmühle stecken, solltet ihr euch dieses Buch nicht an tun(habs bis heute nicht gelsesen). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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