35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Rad des Lebens - eine filmische Meditation, 13. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling (DVD)
Kim Ki-Duk hat sich mittlerweile fest als koreanischer "Arthouse-Regisseur" auf den europäischen Filmfestivals etabliert. Aufgrund erster Anerkennungserfolge wie "Seom - die Insel" und "Bad Guy", fand er deutsche Geldgeber die 2003 sein neuestes Filmprojekt unterstützten. Aus dieser Koproduktion entstand "Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Frühling", eines meiner Lieblingswerke von Kim Ki-Duk. Eine filmische Meditation von unbestreitbarer Kraft.
Kim Ki-Duk ist anders als man aufgrund dieses Filmes denken könnte kein Buddhist. Trotzdem vermag er es den tief in der koreanischen Nation verwurzelten Buddhismus in beeindruckende Landschaftstableaus zu gießen. Dass seinem Sujet dabei nur ein vereinfachtes religiöse Abbild des Buddhismus zugrunde liegt, vermag nur den ernsthaft an der buddhistischen Lehre interessierten Sinnsucher irritieren. Das Thema des Films, der ewige Kreislauf des Lebens, die unaufhörliche Wiederkehr des Gleichen, erscheint wie ein Fluch der auf den Menschen lastet. Zur ewigen Wiederholung der immer gleichen Fehler verdammt kreist er im Lehrlauf. Doch wie vermag er aus diesem qualvollen Rad des Karmas heraus zu brechen? Der Film gibt hier (in meinen Augen) eine ganz einfache wenn auch pessimistische Antwort. Es gelingt ihm einfach gar nicht, denn es gibt kein entkommen aus dem Gefängnis aus Schuld und Sühne. Natürlich bietet diese fast kindlich naive und destruktive Sichtweise auf das Leben keinen tieferen Einblick in die Lehren des Buddhismus. Dieses Ziel verfolgt der Film auch gar nicht.
Der buddhistische Hintergrund bildet für mich als momentan eher atheistisch eingestellten Zeitgenossen (ich weiß das hört sich für einen spirituellen Menschen sicher ignorant an) nur eine interessante philosophische Kulisse.
Als ich den Film das erste Mal sah, überwältigte mich die Magie der Bilder. Und ich verirrte mich in den koreanischen Wäldern, im Wandel der Jahreszeiten, im ruhigen Spiegel des Sees, im erstickenden Weiß des Schnees. Und darin fast verloren der alte Mönch und sein Schüler, Gefangene des Leids selbst hier abseits der unmenschlichen Hektik der Zivilisation.
Im Zusammenspiel mit der Musik von Bark Ji-Woong entsteht eine fast magische Atmosphäre, eine Meditation über das Leben bei der allzu viel nachdenken eher schadet als nützt.
Das hier dargestellte Weltbild ist alles andere als sanft und friedlich. Tiere werden gequält, die Menschen fügen sich Leid zu, unfähig dem Schmerz zu entgehen.
Der junge Schüler lebt den Wandel der Jahreszeiten, wächst heran. Doch schließlich verfällt er allzumenschlichen Leidenschaften, verlässt die scheinbar so beschauliche Abgeschiedenheit des Sees. Viel später kommt er zurück, ein von inneren Dämonen gehetzter zerrissener Charakter, der für seine Taten Buße sucht. Als er wiederum Jahre darauf geläutert aus dem Gefängnis heimkehrt ist der Meister fort und er nimmt den Platz seines alten Lehrers ein. Doch damit steht das Rad des Karmas noch nicht still, ein neuer Frühling bricht sich Bahn, das Schicksal dreht sich von neuem. Und über allem schwebt die den Atem raubende unendliche Gleichgültigkeit der Natur.
Auf formaler Ebene ist dies sicherlich Kim Ki-Duks bisher bester Film.
Das rohere ungeschliffenere Frühwerk des Regisseurs lässt er hier endgültig hinter sich und schwingt sich in artifizielle Höhen auf. Nicht jeder Fan des koreanischen Regisseurs vermag hier noch zu folgen und viele werden sich durch diesen Film abgeschreckt endgültig von dem in künstlerisch aufgeladenen Bildern schwelgenden Kim Ki-Duk abwenden.
Zur DVD:
Die deutsche DVD bietet einen ansprechenden Bildtransfer, wenn es international auch noch bessere Versionen gibt. Ein angenehm scharfes Bild in natürlichen Farben. Der Ton liegt in Koreanisch und Deutsch vor (5.1). Der konversationsarme Film braucht aber nicht viele Worte. Im Wesentlichen prägen die Musik und Naturgeräusche das räumliche Klangbild. An nennenswerten Extras bietet die DVD nicht viel. Ein kurzes "Making of", eine Hörfilm-Fassung und einige Trailer. Interessant ist noch das erweiterte Ende welches den Kreis endgültig schließt. Das alles reicht für eine insgesamt angemessene DVD Umsetzung.
Fazit:
"Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Frühling" ist Kim Ki-Duks bisher formal reifstes Werk. Der Wandel der Jahreszeiten als Sinnbild der sich ewig wiederholenden Lebensabschnitte des Menschen prägt den Film. Durch die Kombination mit der Musik von Bark Ji-Woong entsteht so ein meditativer Traum dieser so schmerzhaft schönen Welt.
Dies ist sicher kein Film für Freunde des asiatischen Actionfilms, sondern eher für Bilder trinkende Cineasten. Mit "Samaria" und "Bin Jip" konnte Kim Ki-Duk dieses filmische Niveau noch zweimal bestätigen. Ob er dieses Meisterwerk aber noch zu übertreffen vermag bleibt abzuwarten. Nach seinem Film "Hwal" (Bogen) aus dem Jahr 2005, kann dies zumindest bezweifelt werden. Kim Ki-Duk scheint sich nun selbst im Leerlauf zu drehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der beste Film der letzten zwei Jahre!, 3. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling (DVD)
Dieser wunderschöne Film hat nichts, was die heutigen Kassenschlager auszeichnet - nicht einmal viele Dialoge - kein überflüssiges Wort!
Er besticht durch seine bezaubernde Schlichtheit, seine beeindruckenden Bilder und seine innere Tiefe.
Das Geniale ist immer einfach - und dieser Film ist einfach genial und genial einfach zugleich. Ein Film ohne Wenn und Aber - ein Film ohne faule Kompromisse - jetzt schon ein Klassiker der Spiritualität.
Er beinhaltet eine, in den Jahreszeiten wechselnde, Schüler-Meister-Beziehung und sagt in wenigen Worten alles, was zu diesem empfindlichen Thema gesagt werden muss - nämlich nicht sehr viel.
Die tiefen Botschaften, hinter einer spärlichen Handlung geschickt verpackt, zeigen in beeindruckenden Bildern den Weg eines männlichen Suchers unter der Führung eines wahrhaftigen spirituellen Meisters.
Jeder Zuschauer versteht - ganz ohne ein Wort!
Und jeder wird in seinem inneren Wesen angesprochen - in seinem wahren Kern. Das macht die Schönheit dieses Films aus, denn er konzentriert sich auf das Wesentliche des Menschen.
Und nach dem Film bleibt nichts als die innere Stille zurück - und so mancher wird in Demut gewiss eine klare Träne seines Herzens vergießen, denn dieser Film zieht dich mitten in dich selbst hinein.
Ich konnte eine Stunde nach diesem Film nichts mehr sagen - mir fehlten einfach die Worte - jeder Satz blieb mir im Hals stecken.
Als ich diesen Film dann ein zweites Mal in einer Gruppe sah, wurde an diesem Abend nicht mehr gesprochen, denn jedem kam das, was er den Tag über gesagt hatte, angesichts der Tiefe dieses Filmes, so lächerlich vor.
Ja, für mich ist dies DER Film - ein fantastischer Film, den man so schnell nicht vergessen wird und besonders für spirituelle Sucher ein gewaltiger Prüfstein, an dem sich jeder selbst messen kann.
Und am Schluss wartet ein besonderer Leckerbissen auf den Zuschauer - ein wunderbares Lied - ein Song, der jedem im wahrsten Sinne des Wortes das Herz aufreißt! Ich liebe dieses Stück - könnte es den ganzen Tag hören!
Fünf Sterne reichen nicht! Unbedingt ansehen - ein Film, den man nicht besser hätte machen können - ohne Wenn und Aber. Eine Perle auf dem Markt!!!!
Meine Empfehlung und mein persönlicher Favorit!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein anderes Bild vom Buddhismus, 30. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling (DVD)
Nachdem der Film sich dann doch nicht als das verfilmte Merian-Heft herausgestellt hatte, was ich zunächst befürchtete, wurde die Geschichte um den Meister und seinen ungezogenen Novizen, die auf einer Insel in einem See im Tempel wohnen noch richtig spannend und fesselnd (im wahrsten Sinne des Wortes..) Der Film kommt sogar ohne die gängige Postkartenphilosophie aus und vermittelt ein ganz anderes Bild vom Buddhismus als man es erwartet. Hier wird das Leben tatsächlich als Leiden und Scheitern dargestellt - sehr gut konterkariert durch den Gegensatz der Schönheit der Natur, dem Idyll, was einem gleichzeitig auf Schritt und Tritt begegnet. Das hat mich sehr beeindruckt. Es wird wenig gesprochen und man kann sich von den Bildern durchaus gefangen nehmen lassen. Es ist auch ein Film in dem Rituale, wie eben auch im Buddhismus eine wichtige Rolle spielen und ich glaube, er vermittelt auch ein sehr gutes Bild von dieser Religion. -Was natürlich zunächst unheimlich und verstörend wirken kann.
Es ist ein Film mit schönen Bildern, ein trauriger Film - ja, aber auch ein Film, der einen besonderen Humor nicht verhehlen kann. Das sollte man nicht verpassen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein