oder "als das Wünschen noch geholfen hat":
Romain Gary, der große französische Romancier, dem es durch eine List gelang, den Prix Goncourt zweimal zu erhalten, blickt in seinem autobiographischen Roman
"Frühes Versprechen" auf seine Kindheit und Jugend und das symbiotische Verhältnis zu seiner exzentrischen Mutter zurück.
1960 erschienen und 1961 erstmals ins Deutsche übersetzt, gilt es nun einen Text wieder zu entdecken, der wirklich eine Perle der Erinnerungsliteratur ist.
Gary füllt seine Erinnerungen an seine Mutter nicht nur mit lebendigen Schilderungen, er blickt mit heiterer Gelassenheit, Wärme, Selbstironie und Distanz auf eine ungewöhnliche Kindheit.
Beseelt von dem Glauben, das in ihrem Sohn etwas "Großes" wohnt, strebt die aus einfachen russischen Verhältnissen stammende Nina eine besondere Karriere für ihren einzigen Sohn an. Sie möchte ihn auf dem Treppchen sehen, ob als Geigenvirtuose oder Ballettänzer ist erst einmal zweitrangig. Um teuren Unterricht zu finanzieren, schlägt sie sich mit allen möglichen und unmöglichen Arbeiten durch, um ihr großes Ziel zu erreichen. Als Gary dreizehn Jahre alt ist, erreicht sie endlich über Stationen im Baltikum und Warschau die Cote d`Azur, denn nur dort - so glaubt sie - ist die Kultur zuhause.
Romain wiederum weiß, dass er seine Mutter nicht enttäuschen darf und arbeitet hart an sich. In der Literatur schließlich findet er seine Bestimmung - und quasi ganz nebenbei gelingt ihm später auch noch eine Diplomatenkarriere.
Seine Mutter stellt sich und ihre Bedürfnisse stets zurück -- nicht ganz selbstlos. Und doch ist dieser unerschütterliche Glaube an die besonderen Fähigkeiten ihres Sohnes nicht nur ein Fluch für den Heranwachsenden.
Er weiß nicht nur seine Chancen zu nutzen, er erlebt die uneingeschränkte Zuneigung seiner Mutter auch wie einen schützenden Mantel, der ihn sein ganzes Leben stark macht und ihn immer wieder befähigt, das Beste aus sich heraus zu holen.
Die literarischen Erinnerungen Garys lassen eine lang vergangene Zeit lebendig werden. Die Zwanziger und Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und die Jahre des Zweiten Weltkriegs schildert er mit besonderer Beobachtungsgabe. Er lässt skurrilen Begegnungen und Menschen viel Raum in seinem Buch und schildert mit Hingabe und viel Farbigkeit die Stationen seiner ersten dreißig Lebensjahre.
Nina Kacew, Romains Mutter, starb im Zweiten Weltkrieg an den Folgen einer schweren Diabetes. Mit ihrem Tod endet dieses Buch.
Das abenteuerliche Leben Garys endete erst 1980 mit Selbstmord und den lakonischen Zeilen: "Danke, ich habe genug".
Das aufschlussreiche Nachwort von Sven Crefeld ist auch in der jüngst erschienenen Taschenbuch-Ausgabe enthalten.
Eine sehr lohnende Lektüre!