Buch der 1000 Bücher
Früchte des Zorns
OT The Grapes of Wrath OA 1939 DE 1940Form Roman Epoche Moderne
Mit seinem 1937 / 38 entstandenen Roman Früchte des Zorns schuf John Steinbeck ein bewegendes Dokument der existenziellen Not, in der sich unzählige Farmerfamilien während der Depression in den 1930er Jahren befanden. Der Naturalismus der Darstellung, die Sozialkritik und die Stärke der Hauptcharaktere, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz Würde und Menschlichkeit bewahren, begründeten den Weltruhm dieses Buchs. Früchte des Zorns gilt heute als ein Klassiker der modernen US-amerikanischen Literatur.
Entstehung: Nach dem Zusammenbruch der New Yorker Börse 1929 sah sich ein Großteil der US-amerikanischen Farmer infolge der Kündigung ihrer Kredite und sinkender Nachfrage nicht mehr im Stande, ihren Pachtzins zu bezahlen. Besonders hart betroffen waren die Farmer im Südwesten des Landes, wo die Erträge aufgrund der herrschenden Dürre, Stürme und Bodenerosionen ausblieben. Von den Grundbesitzern vertrieben, reihten sich immer mehr Familien in den Strom der Migranten Richtung Kalifornien ein. Dort angekommen, mussten die meisten von ihnen erkennen, dass ihre Hoffnung auf Arbeit vergebens war. Steinbeck selbst hatte, um authentisches Material zu sammeln, 1936 einen Treck begleitet und dabei die Zustände in den Auffanglagern kennen gelernt.
Inhalt: Der Roman erzählt das Schicksal der Familie Joad, die ihren Hof in Oklahoma aufgeben muss und sich in einem schrottreifen Lastwagen auf den Weg nach Kalifornien begibt. Mit den Eltern und den Kleinkindern Ruthie und Winfield reisen die beiden Großeltern, ein Onkel, die Söhne Tom, Noah und Al, ihre schwangere Schwester Rose of Sharon sowie deren Mann Connie. Ihnen schließt sich der Wanderprediger Jim Casy an, in dessen Gestalt Steinbeck zu erkennen ist.
Im Mittelpunkt der Familie steht die in ihrem Optimismus durch nichts zu erschütternde Mutter. Während sich der Vater immer mehr in seine Resignation zurückzieht, übernimmt sie im Lauf der Fahrt die Führungsrolle. Unterstützung erfährt sie von ihrem Sohn Tom, der bereits eine Haftstrafe wegen eines im Affekt begangenen Mords verbüßt hat.
Trotz aller Bemühungen der Mutter bricht die Familie zusehends auseinander. Die Großeltern, welche die Trennung von ihrer Heimat nicht verkraften, sterben noch während der Reise. Kurz vor der kalifornischen Grenze verlässt Noah seine Eltern und Geschwister und auch Connie macht sich aus dem Staub.
In Kalifornien kämpfen die Joads um einen Neuanfang, doch wird der Leser nicht mehr Zeuge seines Gelingens. Von den einheimischen Arbeitern unerwünscht, werden sie wie Eindringlinge behandelt und können sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs gerade vor dem Verhungern retten. Als Casy von Hilfstruppen der Landbesitzer erschlagen wird, begeht Tom in seiner Rachsucht einen zweiten Mord und flieht. In der Schlussszene lässt Rose von Sharon, die eine Totgeburt erlitten hat, einen verhungernden Landstreicher an ihrer Brust trinken.
Wirkung: Der trotz aller politischen Anfeindungen in Kalifornien entstanden zahlreiche Gegenschriften, das Buch wurde verboten und verbrannt 1940 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Roman wurde zu einem der größten US-amerikanischen Bucherfolge seiner Zeit. John Ford verfilmte das Werk 1940. B. S.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Verarmte Landarbeiter finden in Oklahoma kein Auskommen mehr. Da hören sie vom gelobten Land Kalifornien und machen sich durch Hitze und Staub auf den Weg. Doch auch hier erfahren sie die Macht und Unterdrückung durch die Großgrundbesitzer.
John Steinbeck hat mit diesem Buch seinen literarischen Ruhm begründet. Das Echo in Amerika war bei der Veröffentlichung gewaltig: Gegenschriften wurden verfasst, Politiker und Erzbischöfe verdammten es, der Autor wurde als Volksverhetzer und Klassenkämpfer verurteilt - und als Stimme der Unterdrückten und Ausgebeuteten gefeiert.
Sein Roman, der auf ausführlichen Recherchen beruhte, wurde zur Basis von soziologischen Untersuchungen und diente als Vorlage für den gleichnamigen Film von John Ford. 1940 erhielt Steinbeck den Pulitzer-Preis, 1962 den Nobelpreis für Literatur.
Bitte beachten Sie auch unser Special zum 100. Geburtstag von John Steinbeck unter john-steinbeck.de
Über den Autor
Steinbecks Lesung anläßlich der Nobelpreisverleihung 1962 (©The Nobel Foundation) (engl.)