David Leavitts Werk "Nachtmusik mit einem Fremden" wurde hier unter dem deutschen Titel "Früchte der Liebe" (engl. Originaltitel: "The Page-Turner") verfilmt.
Der geneigte Literaturfan weiß, daß eine Verfilmung in der Regel an die Qualität des Buches selten heranreicht, schon alleine wegen der Filmlänge, die es oft unmöglich macht, feinste Nuancen menschlicher Empfindungen eingehend darzustellen.
In der vorliegenden Fassung ist eine recht gute Adaption des schriftlichen Werkes gelungen.
So überzeugen die Hauptdarsteller mit Ausdrucksfähigkeit und Gefühl. Bemerkenswert ist hier die Rolle der Mutter Pamela (Juliet Stevenson)die trotz ihrer eigenen schwierigen Lebenssituation - sie ist gerade von ihrem Mann, Pauls Vater, verlassen worden -. Sie kümmert sich rührend um ihren Sohn, auch wenn sie ihm zuweilen auf die Nerven geht; doch sie versucht alles, um ihm eine gute Mutter zu sein.
Paul, der enttäuschte Sohn, da vom Liebhaber, dem berühmten Pianisten Richard Kennington verlassen, erfährt auch nie, daß seine Mutter - für einen Augenblick - ebenfalls für seine große Liebe Richard schwärmt. Irgendwann avanciert Pauls Character in einen Unsympath, abgesehen davon, daß er sich seiner Mutter gegenüber unfair verhält, bleibt dem Zuschauer die Interpretation, ob er mit dem Manager des berühmten Pianisten das Bett teilt, des Sexes wegen, der Faszination dessen musikalischen Repertoires seines Geliebten oder um berufliche Protektion zu erhalten. Meine Klassifizierung war die egoistischere Variante, nämlich die Ambition unter dem Protegé eines einflußreichen Managers zu stehen. Auch seine Beziehung mit einem älteren Mann, der im gleichen Hause wohnt, elitär agiert und ihn auch sonst zu subventionieren scheint, bestätigt die vorgefaßte Meinung.
Gefühlsmäßig imponiert der Showdown in diesem Melodrama, wenn die Mutter überraschend ihren Sohn besucht, und die beiden nach einer heftigen Auseinandersetzung gemeinsam die Sternenkonstellation betrachten. Pamela zeigt ihm "the big dipper" (der große Wagen) und erklärt ihm, welcher Stern für Ganymed steht, dem Mundschenk der Götter, dessen Schönheit Zeus berauschte und der ihn daher protegierte.
Ein sehr guter Abschluß, der den Zuschauer nicht unberührt läßt.