Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Über den Autor
Høeg, Peter dän. Schriftsteller *17.5.1957 Kopenhagen Fräulein Smillas Gespür für Schnee, 1992 Peter Høeg ist der international erfolgreichste dänische Schriftsteller des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Høeg war nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Tänzer in Schweden und Paris in zahlreichen Berufen tätig; so trat er auf verschiedenen dänischen und schwedischen Bühnen auf, unterrichtete an der Universität Odense sowie an Volksschulen und spielte Theater in Afrika. Anfang der 1980er Jahre gab er jegliche Berufstätigkeit auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Høeg lebt sehr zurückgezogen in Kopenhagen und tritt nur äußerst selten in der Öffentlichkeit auf. Bereits mit seinem ersten Roman Vorstellung vom 20. Jahrhundert (1988) erregte Høeg Aufsehen und begeisterte Kritiker wie Publikum. Nach einer Sammlung von Erzählungen, die seine Orientierung am Vorbild Tania R Blixen erkennen lassen, bescherte Fräulein Smillas Gespür für Schnee dem Autor einen internationalen Bestsellererfolg, an den er allerdings mit den beiden darauf folgenden Romanen nicht mehr im gleichen Ausmaß anknüpfen konnte. Allen Büchern gemeinsam ist ein spielerischer Umgang mit unterschiedlichen Erzählstilen, eine genaue Recherche sowie das Vermischen und Überblenden verschiedener Genres, auch aus dem Bereich der Unterhaltungsliteratur
Auszug
Das Dezemberdunkel kommt aus dem Grab, das grenzenlos wirkt wie der Himmel über uns. In dieser Dunkelheit sind unsere Gesichter nur noch blaß leuchtende Scheiben, aber trotzdem spüre ich die Mißbilligung des Pastors und des Kirchendieners, die sich gegen meine schwarzen Netzstrümpfe richtet und gegen Julianes Jammern, das noch dadurch verschlimmert wird, daß sie heute morgen ein paar Antabus genommen hat und der Trauer jetzt fast nüchtern begegnet. Sie denken, sie und ich hätten weder das Wetter noch die tragischen Umstände respektiert. Dabei sind die Strümpfe und die Tabletten auf ihre Weise ganz einfach eine Huldigung an die Kälte und an Jesaja.
Die Frauen um Juliane, der Pastor und der Kirchendiener, alle sind sie Grönländer, und als wir Guutiga, illimi singen, Du mein Gott, Julianes Beine unter ihr nachgeben, sie zu weinen anfängt, dieses Weinen langsam anschwillt, und der Pastor schließlich auf westgrönländisch mit der Lieblingsstelle der Herrnhuter bei Paulus von der Erlösung durch das Blut anfängt, kann man sich bei nur leichter Zerstreutheit nach Upernavik, Holsteinsborg oder Qaanaaq versetzt fühlen.
Doch aus der Dunkelheit ragen wie ein Schiffssteven die Gefängnismauern von Vestre Fængsel, wir sind in Kopenhagen.
Der Grönländerfriedhof ist ein Teil des Vestre Kirkegaard. Mit Jesaja in seinem Sarg ist eine Trauergemeinde hierhergekommen, die aus den Bekannten von Juliane, die sie jetzt stützen, aus dem Pastor und dem Kirchendiener, dem Mechaniker und einer kleinen Gruppe von Dänen besteht, von denen ich nur den amtlichen Pfleger und den Assessor erkenne.
Der Pastor sagt jetzt irgend etwas, das mich denken läßt, er müsse Jesaja tatsächlich einmal getroffen haben, obwohl Juliane, soweit mir bekannt ist, nie in die Kirche geht. Dann verschwindet seine Stimme, denn nun weinen die Frauen mit Juliane. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .