Für zwei Tage musste meine Familie auf meine mentale Anwesenheit (und das Abendbrot) verzichten, denn ich reiste mit Liao Yiwu durch die chinesische Provinz. Es ist selten, dass mich ein Buch wirklich fesselt, noch seltener, dass dies mit solch oft finsteren Geschichten passiert, wie sie hier erzählt werden.
Auch wer wenig über China weiß, findet Anknüpfungspunkte, denn hier geht es um Menschen und ihre Schicksale. Kunstvoll befragt der Autor seine Protagonisten, die vom harten Leben in der Volksrepublik erzählen, von den sonderbaren Dingen, die das Landleben in China bereit hält und von den Verheißungen der Großstadt. Und immer wieder geht es um die Hoffnung, dass sich das Blatt wendet, das Leben schön wird, das Glück kommt - am Ende hat man das Gefühl, einen Roman gelesen zu haben, so nahtlos wie die Geschichten ineinander greifen und zusammen ein funkelndes Mosaik bilden.
Wer wissen möchte, was die Chinesen als Nation so erfolgreich macht, der lese dieses Buch. Und staune über ihre Fähigkeit, nach vorn zu schauen und nur nach vorn.