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Foxtrott im Erfurter Stadion: Gedichte
 
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Foxtrott im Erfurter Stadion: Gedichte [Gebundene Ausgabe]

Jürgen Becker
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 86 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (5. September 1993)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518405454
  • ISBN-13: 978-3518405451
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Jürgen Becker
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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Jürgen Becker wurde 1932 in Köln geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre, zwischen 1939 und 1947, lebte er in Erfurt. Nach Aufenthalten in Osterwieck/Harz und Waldbröl kam er 1950 nach Köln zurück. 1953 Abitur. nach kurzem, abgebrochenem Studium begann er seine Existenz als freier Schriftsteller; seinen Lebensunterhalt bestritt er jahrelang mit wechselnden Tätigkeiten, als Arbeiter und Angestellter, als Werbeassistent und Journalist. Er arbeitete für den WDR und in den Verlagen Rowohlt und Suhrkamp. Zwanzig Jahre lang, bis 1993, leitete er die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks.

Große Aufmerksamkeit fand Jürgen Becker mit seinem ersten Prosabuch Felder (1964); die beiden folgenden Bücher Ränder (1968) und Umgebungen (1970) festigten seinen Ruf als Verfasser experimenteller Literatur. Zugleich wirkte er mit seinen ersten Hörspielen (Bilder, Häuser, Hausfreunde) am Entstehen des "Neuen Hörspiels" mit. In seinem 1971 veröffentlichten Fotobuch Eine Zeit ohne Wörter verschmolz er seine literarische Arbeit mit dem visuellen Medium. Die künstlerischen Grenzüberschreitungen der Avantgarde hatte er 1965 bereits mit dem Band Happenings dokumentiert, einer Gemeinschaftspublikation mit dem Happening-Künstler Wolf Vostell.
In den Siebziger und achtziger Jahren konzentrierte sich Jürgen Becker auf die Lyrik. Die in dieser Zeit entstandenen Gedichtbücher - darunter Das Ende der Landschaftsmalerei (1974), Odenthals Küste (1986), Das Gedicht der wiedervereinigten Landschaft (1988) - plazierte die Kritik in die obersten Ränge der zeitgenössischen Poesie. Gleichzeitig schrieb Jürgen Becker weiterhin Hörspiele und die beiden Prosabücher Erzählen bis Ostende (1980) und Die Türe zum Meer (1983). Dazu korrespondierte er weiterhin mit dem visuellen Medium: Fenster und Stimmen (1982), Frauen mit dem Rücken zum Betrachter (1989), Korrespondenzen mit Landschaft (1996) entstanden nach Collagen seiner Frau, der Malerin Rango Bohne, Geräumtes Gelände (1995) nach Bildern seines Sohnes, des Fotografen Boris Becker.
Wende und Wiedervereinigung wirkten entscheidend auf das Schreiben Jürgen Beckers ein. Die Wiederentdeckung der Orte und Landschaften zwischen Elbe und Oder, rügen und Thüringer Wald motivierten seine Gedichtbände Foxtrott im Erfurter Stadion (1993) und Journal der Wiederholungen (1999), die Erzählung Der fehlende Rest (1997) und vor allem den im Sommer 1999 erscheinenden Roman Aus der Geschichte der Trennungen. Mit den Vorbereitungen dazu begann er während eines Stipendiums im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf. Es ist Jürgen Beckers erster Roman; eine bewegende, persönliche Geschichte, die zugleich von den Widersprüchen der deutschen Erfahrungen erzählt.

Jürgen Beckers Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt er den Preis der Gruppe 47, den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste, das Villa Massimo Stipendium, den Bremer Literaturpreis, den Heinrich Böll Preis.
Jürgen Becker ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, sowie des PEN-Clubs. 2001 erhält er für seinen Roman Aus der Geschichte der Trennungen den Uwe-Johnson-Preis, der von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft vergeben wird. 2006 wird er für sein Prosa-Werk, insbesondere den Journalroman Schnee in den Ardennen, mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnet.


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4.0 von 5 Sternen Schlittschuh-Gespräche, 5. Februar 2010
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Foxtrott im Erfurter Stadion: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
"Lyrik konjugiert beide Seiten zugleich: die Vergangenheit und die Gegenwart." So der Lyriker und Literatur-Nobelpreisträger von 1992, Derek Walcott. Ein Satz, der auch auf den Lyriker Jürgen Becker anzuwenden ist. Auch auf den Gedichtband "Foxtrott im Erfurter Stadion".

"Jedesw Wort zwischen Rostbratwurst und Sanierung könnte der Anfang einer Erzählung sein", heißt es in dem Gedicht "Fragment aus Arnstadt". Äußere Eindrücke setzten den Vorgang des Dichtens in Gang. Verschüttete Erinnerungen werden freigesetzt und lassen den Dichter - und den Leser - zur Frage "Wer bin ich?" gelangen. Eine Frage, die auch die Gedichte dieses Bandes beherrscht.

Für dern Kölner Jürgen Becker heißt das, sich an seine Zeit in Thüringen zu erinnern, das ihm zwischen 1939 und 1947 zur zweiten Heimat geeworden war. Die Gegenwart, hier: die deutsche Wiedervereinigung, macht den Weg frei zurück in die Vergangenheit. "Schlittschuh-Gespräche; zur Schule / übers hartgefrorene Schneebrett der Straße; Wettläufe, / Foxtrott im Erfurter Stadion, bis die Kondensstreifen zogen / hoch durch die blaue Luft."

Dichte also als Vorgang der Gleichzeitigkeit. Der Anstoss kommt aus der gegenwart und führt in die Vergangenheit, wobei sich die Zeitebenen überlagern können. Becker hat das unverhoffte Geschenk der Geschichte genutzt, hat ihm aber jenseits politischer Tagesaktualitäten eine neue, eine dichterische Dimension gegeben. Anstelle der Träume zurück in die Vergangenheit vor der "Wende" tritt jetzt die konkrete Erfahrung, die vergleicht, neue Motive findet. Und das wiederum macht Beckers Gedichte zeitlos gültig.

Bereits 1988 erschien Jürgen Beckers "Gedicht von der wiedervereinigten Landschaft", ein sehr prophetischer Titel. In "Foxtrott im Erfurter Stadion" lesen wir eine "wiedergefundene Landschaft". Aber alles ist nur einbe "vorläufige Topographie. / Du kannst sie verwischen. Du kannst sie / verändern, bis eine Serie entsteht, bis wir erreichen / die Ufer der Wiederholung".

Jürgen Beckers Gedichte sind schöne Beispiele für die Suche nach der Erinnerung, nach Imagination, nach den den Identitäten der Kindheit. Sie sind "Erzählungen" von einst und jetzt im Lichte der Erfahrung. So ist auch die Sprache des Dichters sowohl realistisch als auch etwas dunkel, wenn das Erinnern nur Bruchstücke liefert. Sie ist jargonhaft-lässig und dan wieder von einem hochlyrischen Ton. Die Suche nach Vorbildern der Beckerschen Lyrik erübrigt sich deshalb. Die Gedichte sind von großer Eigenwilligkeit und Eigenständigkeit, für den Leser jedoch jederzeit offen und deutbar.
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