Es gab früher im Fernsehen eine Antischuppenshampoo Werbung, deren Slogan lautete: "Sauteuer, aber es wirkt". Dieses Motto trifft auch auf diesen Lautsprecher zu wie ich finde. Kein normaler Mensch würde so einen Preis für einen handgroßen Lautsprecher ausgeben, der jedoch wohlgemerkt auch kabellos über Bluetooth funktioniert. Aber für jemanden, der bestmöglichen Klang bei kleinsten Abmessungen will, gibt es keine Alternative. Auch ich bin auf den Foxl erst sehr spät und nur durch Zufall aufmerksam geworden, er wurde von einem Tester in einem Zug mit Lautsprechern wie Geneva Labs genannt, sodass ich irgendwie hellhörig wurde und das Teil auf gut Glück bestellt habe.
Inzwischen existieren viele Mini-Lautsprecher am Markt, die versuchen verbauten Handylautsprechern Paroli zu bieten. Die meisten sind mehr schlecht als recht und klingen ihrer Größe entsprechend: dünn, quäkig, zerrend, langweilig... Zu den populärsten Vertretern von Minilautsprechern gehören Altec Lansing Orbit, Wavemaster Mobi, Raikko nano usw, die untereinander nochmals zwischen halbwegs OK bis ganz schlecht unterteilbar sind. Darüber hinaus gibt es bereits größere Modelle wie JBL On Tour oder JBL On Tour XT oder sogar Logitech PureFi anywhere. Der Foxl hingegen ist nicht so populär, kostet er auch gut 8-10 mal so viel wie die kleinen, jedoch nicht viel mehr als ein JBL On Tour XT(B) zum Beispiel. Das besondere am Foxl ist, dass die Sounddesigner, in diesem Fall ein NASA-Professor namens Dr. Guenther einige seiner eigenen Ideen patentiert hat, um einen Miniaturlautsprecher zu bauen, der nicht so nervt wie die am Markt erhältlichen. Der Foxl klingt tatsächlich dank der angewandten Tricks deutlich größer, als man es vermuten würde. Ich kenne genügend größere Lautsprecher, die auf herkömmlicher Akustik basieren, und bei weitem nicht so gut klingen wie dieses Miniteil. Verständlicherweise konnte auch Dr. Guenther die Physik nicht überlisten, so schafft man es klarerweise nicht damit seiner Hifianlage Konkurrenz zu machen, oder ein Oktoberfestzelt zu beschallen, aber bei üblicher Lautstärke ist der Klang, den der Foxl produziert dennoch beachtlich und spielt in einer völlig anderen Liga als alle Minilautsprecher zusammengenommen. Er ist imstande einen Bassdruck zu erzeugen, der dem des hochgelobten Logitech PureFi anywhere in nichts nachsteht, und das bei Schokoriegelgröße.
Er klingt sehr ausgewogen, keine Frequenz wird überbetont oder verschluckt, es gibt keine unangenehmen Frequenzbuckel, gerade die Mitten tönen natürlich und die Höhen sind angenehm neutral, ohne ungewöhnliche Färbungen. Das bemerkenswerte jedoch ist, dass er besonders im Bassbereich unglaublich tief reicht, trotz fast nicht vorhandenem Gehäusevolumen. Der angewendete Trick liegt vor allem in den Treibern, die von Soundmatters liebevoll "Twoofers" genannt werden: also spezielle Tweeter, die gleichzeitig als Woofer herhalten und zusätzlich den Passivradiator an der Gehäuserückseite antreiben, welcher wiederum den Akku als Masse zum Tuning missbraucht und so den eigentlichen Bass abgibt, der Passivradiator trägt auch den lustigen Namen "Bassbattery". Dank des speziellen Designs klingt das ganze auch bemerkenswert erwachsen. Ich war wirklich überrascht über den Klang, und von der Tatsache, dass der Lautsprecher bei lauteren Pegeln zum Rumhüpfen begonnen hat. Soundmatters hat dafür eine kleine Gummimatte beigelegt, die ein Rumwandern und Hinunterfallen vom Tisch verhindern soll. Wie tief die abgegebenen Frequenzen wirklich reichen, merkt man gut wenn man den Foxl in der Hand hält und das ganze Gehäuse vibrieren spürt. Ich habe schon viele Lautsprecher gehört, aber einen derart kleinen wie den Foxl, der dann doch so dick aufträgt noch nie.
Irgendwann haben aber auch alle Tricks ausgespielt, denn recht hohe Lautstärken zwingen das System klarerweise in die Knie, aber wohlgemerkt nicht früher als bei vergleichbaren Lautsprechern wie z.B. dem Altec Lansing Orbit, der dagegen viel dünner und nerviger klingt, oder dem JBL On Tour XT, welcher von Batterien sowieso etwas schwach auf der Brust ist.
Bei Netzbetrieb ist beim Foxl auch eine leichte Steigerung der verzerrungsfreien Lautstärke möglich, von Akku spielt der Foxl mit 2x2 Watt Leistung, bei Netzbetrieb sind es 2x4 Watt. Eine Möglichkeit den Lautsprecher auch unterwegs zu mehr Power zu überlisten, wäre ein portables Akku-Pack mit 5V Ausgang und dem passenden Adapterstecker, der dem Lautsprecher Netzbetrieb vorgaukelt. Ich habe es noch nicht probiert, werde dies aber sicher machen, falls ich wirklich mal an die Grenzen stoßen sollte. Bisher war mir die maximale (verzerrungsfreie) Lautstärke auch im Park an einem windigen Tag völlig ausreichend, obwohl man damit natürlich kein ganzes Lagerfeuer beschallen oder schreiende Kinder übertönen kann, auch klingt der Foxl im Freien etwas weniger imposant als in Räumen, was jedoch völlig natürlich ist. Da bedarf es schon gewaltigerer Lautsprecher um auch im Freien genügend Bass zu erzeugen.
Der Lautsprecher lässt sich im Grunde sehr laut stellen, viel lauter als andere Minilautsprecher, verzerrt dann aber eben. Ein zusätzlicher Tipp wäre da, bei zu hohen Pegeln zusätzlich den Bass am EQ des Players abzusenken. Über eine dynamische Bassanpassung je nach Lautstärke verfügt das Gerät leider nicht, es spielt immer mit voller Power. Ich neige dazu den Basspegel bei leisen Lautstärken anzuheben, bei lauteren etwas abzusenken. Gerade bei niedrigen Pegeln bringt die Anhebung von tiefen Frequenzen einen ziemlichen zusätzlichen Kick, denn der Foxl gibt diese Frequenzen dann auch tatsächlich wieder, was beinahe schon an Subwoofer-artige Effekte erinnert, zu laut darf man dann klarerweise nicht aufdrehen.
Zur Akkulaufzeit kann ich noch nichts sagen. Überall wird von bis zu 5 Stunden gesprochen, was eigentlich etwas mager ist. Ich selbst habe bisher noch nicht genügend Erfahrung gesammelt, aber er hat bei geringeren Lautstärken bei mir auch schon durchgängig über 6 Stunden gespielt. Einen ganzen Tag am Strand schafft man damit vermutlich nicht, aber auch für solche Zwecke hoffe ich auf die oben erwähnte Tricklösung mit dem externen Akku-Pack, der die Spielzeit eigentlich verdoppeln oder zumindest hinauszögern sollte.
Die Bluetoothfunktion ist zwar lustig, ich selber verwende sie eher kaum, da die Klangqualität im Vergleich zu Kabel doch etwas abfällt. Aber für manche Zwecke mag auch Bluetooth durchaus nützlich sein.
Abschließend sei zu sagen, dass der Lautsprecher eine echte Besonderheit darstellt. Wenn jemand wirklich Wert auf guten Klang unterwegs legt, sei es im Hotelzimmer, auf Reisen etc. jedoch keinen Platz im Gepäck dafür verschwenden will, und auch Kopfhörern gegenüber eher abgeneigt ist (sogar einige Kopfhörer nehmen mehr Platz ein als der Foxl), für den gibt es keine andere Lösung. Zumindest mir ist keine bekannt, schon gar nicht eine, die man auch problemlos in der Hosentasche unterbringen kann. Sogar ein Tivoli Pal, der um einiges klobiger ist, klingt nicht besser. Den meisten Lautsprecherherstellern ist es üblicherweise egal wie groß die Dinger sind, sie werden so groß gebaut, bis gewisse Anforderungen an die Akustik gegeben sind. Ab gewissen Gehäusegrößen wird erst gar nicht erst versucht das Design zu optimieren oder das Ziel mit unkonventionellen Methoden zu erreichen. Der Foxl versucht hingegen die Quadratur des Kreises, und meiner Meinung nach ist er auf dem besten Weg dahin. Mittlerweile ist die Version 2 am Markt, die angeblich zum Vorgänger klanglich nochmals verbessert wurde. Für eine Version 3 würde ich mir zusätzlich einen stärkeren Akku und damit auch höhere Pegel sowie längere Laufzeiten wünschen, wobei die Möglichkeit zur Wahl entweder/oder auch ganz nett wäre.
Nachtrag:
FoxL ist bereits seit einger Zeit leider schwer zu bekommen, es ist jedoch von Jawbone die Jambox erschienen, die technisch auf dem FoxL basiert. Jawbone hat jedoch den Bluetooth-Teil neu designed, so soll auch die Wiedergabequalität bei der Jambox über Bluetooth deutlich besser sein. Der akustische Grundkern ist bei FoxL und Jambox identisch, Jawbone spricht jedoch von einem steiferen Chassis und dadurch weniger Verzerrungen usw. Leider ist die Jambox genauso überteuert wie der FoxL, ob sich beide sonst klanglich unterscheiden, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall sollte die Jambox derzeit leichter erhältlich sein.
Nachtrag2: In der Zwischenzeit besitze ich den FoxL seit über einem halben Jahr und habe ihn fast täglich im Einsatz. Ich habe ihn beinahe immer bei mir und hatte ihn auch schon beim Schiausflug den ganzen Tag um den Hals. Alle Kollegen waren begeistert und fanden den kleinen richtig spaßig. Ich war selber überrascht, dass er derart laut spielen konnte. Entgegen meiner frühen Befürchtung hält der Akku bei mir eine halbe Ewigkeit. 12 Stunden am Stück sind sogar bei hohen Pegeln problemlos möglich. Ich habe mal versucht durchgehend die Laufzeit zu testen, ich bin auf über 20 Stunden gekommen, und das Teil spielte immer noch. Um mir die "Akustikmatte" zu ersparen und den FoxL auch beim Transport zu schützen, habe ich eine Ipod-Socke gefunden, in die der Foxl perfekt reinpasst und zum Hören auch nicht rausgenommen werden muss.
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