Es tut fast weh, in welchem Maß John Irving verlernt hat, was er in früheren Romanen fast perfekt beherrschte. Figuren wie T.S. Garp, Homer Wells oder Dr. Daruwalla begleiteten die Leser noch Wochen oder Monate durch denn Alltag, nachdem sie "The World According to Garp", "Cider House Rules" oder "A Son of the Circus" gelesen hatten. Patrick Wallingford aus "The Fourth Hand" ist mit dem Schließen des Buches vergessen. Eigentlich schon früher, denn dieses Text gewordene Klischee ist durch und durch uninteressant. Ebenso wie die Ereignisse, die ihm zustoßen. Und ebenso wie die Personen, die Irving um ihn herum drappiert hat. Eine Doris Clausen, die Ehefrau des Hand-Spenders, wird von Irving sogar mit großem Getöse eingeführt: Der Erzähler betont die enorme Perversion ihrer eigentlichen Vorhaben, entwirft sie explizit als diabolischen Charakter. Beim Schreiben der folgenden Kapitel scheint Irving das allerdings völlig vergessen zu haben. Die Handlungsstränge sind gleichzeitig unspannend und wirr - womöglich ein Versuch, das groteske Element zu nutzen, das er früher so effektiv einsetzte. Diesmal, sorry, funktioniert es nicht. Garniert ist das Ganze dann auch noch mit süßlichen Kinder-/Eltern-Geschichten. Auch das hatten wir in vorhergehenden Romanen bereits erheblich besser - und ohne Kitsch. Nach "A Son of the Circus", seinem bis dahin längsten Roman, hatte Irving 1995 hoch und heilig geschworen, seine nächsten Romane würde kürzer werden. Möglicherweise hat genau das ihnen nicht gut getan, denn jetzt wirken sie beschränkt.