Die Wunde, die Aereogramme in den Herzen der Hörerschaft hinterlassen haben, wird wohl noch eine ganze Weile vor sich hinklaffen müssen. Was diese Ausnahmeband mit ihren drei-einhalb Alben geschaffen haben, ist wohl unwiederholbar in der Musikgeschichte.
The Twilight Sad, ebenfalls aus Schottland und auch stilistisch durchaus ähnlich, sind nun für viele Fans von Aereogramme der erhoffte schnelle Trostspender, und das erste Album kann wirklich fast restlos überzeugen. Dabei sind die ersten drei Songs wirklich perfekt, kaum in Worte zu fassen, einfach atemberaubend. Traurige Melodien, Klavierstakkato, der unheimlich gefühlvolle Gesang (mit sehr schönem schottischem Akzent), die poetischen Texte, die plötzlich Gitarrenattacken, alles scheint einfach nur perfekt zu sein (auf das Schlagzeug werde ich später noch eingehen). Allein die Tracklist liest sich wie ein Gedicht: "Last year's rain didn't fall quite so hard", "That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy", "Talking With Fireworks / Here It Never Snowed".
Die Songs für sich genommen sind allesamt sehr überzeugend, obwohl man die Tracks 4 und 9 durchaus als Füller bezeichnen könnte, wenn man denn böse gesinnt wäre. "Walking For Two Days" ist einfach perfekt und nimmt sofort gefangen durch eine dramatische, kreischende Gitarrenmelodie. Die Gitarren hören sich an, als würden Holzfäller Bäume mit ihren Kettensägen bearbeiten. Die gesangliche Leistung in diesem Stück sucht einfach ihresgleichen und macht den dritten Track zu meinem persönlichen absoluten Liebling auf dem Album.
Aber es gibt auch eine Sache, die ich an "Fourteen Autumns & Fifteen Winters" zu bemängeln habe: Den mangelnden Abwechslunsgreichtum. So funktionieren die meisten Songs auf die gleiche Weise, enden sogar oftmals fast identisch. Auch das Schlagzeug ist nicht wirklich innovativ, poltert zwar stets kräftig vor sich hin und setzt hier und da Akzente, verkommt aber durch den monotonen Dauereinsatz zum langweiligsten Instrument der Platte. Die Akkordeonpassagen begeistern, weil sie der Musik etwas Folkisches geben. Arcade Fire, sagte mein Vorredner, und hat damit absolut Recht.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass dieses Album auch auf Dauer begeistert und man die Songs immer mehr mögen wird, nachdem man sich etwas an den mangelnden Abwechslungsreichtum gewöhnt hat. Wenn sich die Band nur ein klein wenig mehr getraut hätte, wäre uns sicherlich ein neues Meisterwerk ins Haus gestanden. Man darf also auf weitere Veröffentlichungen gespannt sein. In Artikeln las ich, dass The Twilight Sad zu Beginn ihres Schaffens halbstündige Noise-Epen schrieben, mit jeder Menge Gitarrenwänden, durchgedrehten Ideen und Soundeffekten. Es kann also noch einiges erwartet werden, und mit etwas Glück wird man in zehn Jahren sagen, dass das Ende der Ära Aereogramme der Anfang der Ära The Twilight Sad war.