Movieman.de
Wenn man sich "Four Lions" so anschaut, könnte man meinen, eine neue Generation britischer Komiker sei nachgewachsen, doch hinter der bissigen Satire um vier aufbegehrende Moslems steckt der englische Satiriker Chris Morris, der mit dieser Komödie sein Regiedebut gibt. Überaus gelungen schwankt seine herrlich komische Attacke auf die Lachmuskeln zwischen Gesellschaftssatire und rabenschwarzer Tragik-Komödie. Dazu verleiht der Einsatz von Handkameras dem Film einen Touch von Mockumentary… zumindest so lange bis es richtig ernst wird… In "Four Lions" tun sich vier ganz unterschiedliche Moslems zusammen, um durch mehr oder weniger gezielte Attentate darauf aufmerksam zu machen, dass der Islam in der westlichen Welt nicht richtig ernst genommen wird. Während Omar die gemeinsamen Ziele geschickt zu formulieren vermag, scheitert sein Kumpel Waj schon daran, ein paar vorformulierte Sätze auf Video zu sprechen. Schon die ersten Szenen des Filmes sind zum Brüllen komisch, denn das als bedrohliche Botschaft geplante Video wird zur Slapsticknummer. Barry, der dritte im Bunde ist ein zum Islam konvertierter Brite, was vor allem in der Originalversion aufgrund seines heftigen Dialekts für eine Menge Lacher sorgt. Der langbärtige, blonde Barry, der schon optisch ein Brüller ist, vertritt den anderen gegenüber hartnäckig die Meinung, man solle doch einfach eine Moschee in die Luft jagen, um die Moslems der Welt zum Krieg anzustacheln. Nun, die Meinungen sind verschieden. Als letztes Mitglied des unfreiwillig urkomischen Bombenleger-Kommandos reiht sich Faisal ein, der lieber mit blonden Mädchen zu britischem Schmusepop Karaoke singt, als die gemeinsame Mission wirklich ernst zu nehmen. Die von Selbstüberschätzung getriebenen Revoluzzer nehmen schließlich sogar an einem Trainingscamp für Terroristen teil, das sie ganz in der Manier von Slapstick-Kollege Charlie Chaplin einfach mal aus Versehen in die Luft jagen. Das infernalische Quartett, so meint man erst, bekommt es doch nicht einmal hin, gezielt eine Wunderkerze anzuzünden. Doch man staunt nicht schlecht, als nach einigen misslungenen Tierversuchen auch erste menschliche Körperteile durch die Gegend fliegen. Hier sieht sich der Zuschauer durchaus an den Grenzen des guten Geschmacks angekommen, doch durch die konsequente Übertreibung lässt sich das unvermeidliche dann doch richtig gut aushalten. "Four Lions" verliert trotz seiner Provokationen nie den Boden unter den Füßen, denn die Satire bleibt auf ihre eigene Weise ernst mit dem Thema und droht keineswegs ins Lächerliche oder Verharmlosende abzurutschen. Vorurteile, Klischees und Doppelmoral werden geschickt seziert und dem Islam gegenüber sieht sich trotz des humorigen Ansatzes doch reichlich Respekt geboten. Mit diesen Zutaten gewürzt, dürften auch streng gläubige Moslems keine Probleme, sondern eine Menge Spaß an der außergewöhnlichen Produktion haben. Fazit: Ein Terroranschlag auf Ihre Lachmuskeln!
Moviemans Kommentar zur DVD: Das Quellmaterial war zum Authoring und Premastering in Bestform. Korrekturen oder Denoising sind nicht notwendig gewesen und so kommt es, dass auch mit einer deutlichen Kompression immer noch ein absolut stabiles Bild voller Ruhe und Homogenität entsteht. Scharf bis in die Poren sind Gesichter vor der Kamera zu sehen und "Schwarz sehen" macht hier einen hohen Spaß, denn so hohe Schwarzwerte sind nicht gerade häufig anzutreffen. Auch von Rauschen ist weit und breit keine Spur. Alles in bester Ordnung. Der Film bietet eine weit verzweigte, sehr breite Ausnutzung des vorderen Stereopans. Viele kleine Effekte wurden am linken oder rechten Rand eingestreut und schaffen ein behagliches Dabeisein-Gefühl. Mit zunehmender Laufzeit des Filmes vermindert sich diese Atmosphäre jedoch etwas. Dafür sorgt ein regelrechter Punch im Bass gelegentlich für knackige Schallwellen aus dem Subwooferkanal. Immer wieder nur ein kurzer, sehr tiefer Impuls aus der Box, beispielsweise, wenn die Panzerfaust einschlägt. Die Stimmen wirken in der englischen Originalfassung etwas direkter und hautnaher, als es die deutsche Tonspur vermag. Als Leckerli gibt es einige durchaus sehenswerte Extraszenen, Interviews. --movieman.de
VideoMarkt
Die jungen Briten Omar, Waj, Islam-Konvertit Barry und Faisal wollen aus sehr unterschiedlichen Gründen in den Heiligen Krieg ziehen und es mit einem verheerenden Terroranschlag in London der westlichen Welt zeigen. Doch sie sind nicht die Schlauesten, und als Selbstmordattentäter muss man ja auch gewisse Opfer bringen. Selbst als zwei von ihnen nach einem peinlichen Zwischenfall aus einem pakistanischen Ausbildungslager geworfen werfen, bleiben sie am Ball. Beim Londoner Marathon soll es zum großen Knall kommen.
Video.de
Fulminante Satire, in der es dem britischen Comedian Christopher Morris gelingt, sich über islamistischen Terrorismus lustig zu machen, das Thema aber dennoch todernst zu nehmen. Mit traumwandlerischer Sicherheit macht Morris die Auswüchse jeder Art von Radikalisierung zur Zielscheibe. Mag die Arbeit mit pseudodokumentarisch gefärbtem Material in anderen Filmen abgedroschen wirken, "Four Lions" wird von den verwackelten Bildern mit einer Authentizität aufgeladen, die einem einen kalten Schauer den Rücken runterjagt.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Satirisches Filmdebüt des populären britischen Radio- und Fernseh-Comedians Chris Morris um vier chaotische Gotteskrieger.
Kurzbeschreibung
Manchmal tut es gut, dem größten Schrecken mit einem Witz den Garaus zu machen. Aktuell könnten wir da als Kontrapunkt für die Nachrichtenmeldungen, die uns täglich um die Ohren schwirren, vor allem Komödien über Terror und Suizidbomber gebrauchen. FOUR LIONS geht genau auf dem Gebiet mit bodenlos bösem Beispiel voran. Ersonnen vom skandalträchtigen TV-Mastermind Chris Morris, der die britische Medienwelt gern mal aus den Angeln hebt, erzählt die wahnwitzige Farce von vier extremistischen Muslimen in den englischen Midlands, die der Arroganz der westlichen Kultur mit einem gewaltigen Anschlag eine gepfefferte Lektion erteilen wollen. Das Problem ist: Die vier sind das, was im Englischen so schön mit bumbling idiots umschrieben wird. Sie sind Vollspacken. Zwei von ihnen fliegen aus einem pakistanischen Ausbildungslager, weil sie mit einer Panzerfaust so ziemlich alles anstellen, außer das Ziel zu treffen. Der Dritte trainiert Krähen als Bombenkuriere. Und nicht zu vergessen der vierte Mann im Bunde: ein nicht-arabischstämmiger Konvertit, dessen Verbohrtheit die der anderen um Längen toppt und der sich mit seinem Nihilismus in eine Sackgasse befördert, aus der heraus es wohl tatsächlich keinen anderen Ausweg gibt als ein Selbstmordattentat. Es ist, als wären Ali G., Monty Python und das verbale Feuerwerk von IN THE LOOP zu einem effektiven Sprengsatz fusioniert. FOUR LIONS ist eine der seltenen Komödien, die richtig ab- bzw. im wahrsten Sinne des Wortes hochgeht. Quelle: Fantasy Filmfest Katalog
Produktbeschreibungen
Vier junge britische Männer sind im Auftrag Allahs unterwegs. Meinen sie. Omar (Riz Ahmed) will sich dem Heiligen Krieg anschließen, weil er nicht länger tatenlos zuschauen will, wie das Ansehen junger Moslems auf der Welt mit Füßen getreten wird. Waj (Kayvan Novak) hält das für eine gute Idee und schließt sich an, weil er nichts Besseres zu tun hat - außerdem trifft Omar ohnehin immer alle Entscheidungen für ihn. Barry (Nigel Lindsay) ist als weißer islamischer Konvertit zwar völlig anderer Meinung, aber das macht nichts, denn das ist er grundsätzlich. Aus Prinzip. Als Bombenbauer stößt Faisal (Adeel Akhtar) zu der Truppe, der allerdings nicht als Selbstmordattentäter in Frage kommt, weil sein Vater gerade krank geworden ist. Gemeinsam sind sie fest entschlossen, die westliche Gesellschaft dort zu treffen, wo es weh tut. Fragt sich nur, ob sie ein Streichholz anzünden können, ohne sich dabei im Gesicht