...geschah dies wohl häufiger in den Siebzigern,denn im vergangenen Jahrzehnt.Das vorliegende Album der US-Band aus Princeton N.J. schlägt eine musikalische Brücke in die Siebziger: einem hohen musikalischen Anspruch Rechnung tragend, besticht das Album durch wundervolle Arrangements, spielt mit, aus vielfältigen musikalischen Wurzeln herangetragenen Strömungen und führt zu einem komplexen, sowie harmonischen Gesamtbild. Unter Würdigung des individuellen Geschmacks und des persönlichen Empfindens ist m.E. ein Verweis auf obige, unter "Nette Unterhaltung" verfasste Rezension wichtig. Für einen interessierten BT-Einsteiger erweist sich die Rezension als wenig hilfreich, schon alsdaß sie die Produktion als Bluesscheibe bezeichnet. Mag der Bandname auch zunächst traditionelle Bluesstrukturen vermuten sowenig bezieht BT ihre Inspiration aus klassische Blueswurzeln. Kurz: das Etikett "Nette Unterhaltung" identifizert beim Verfasser jener Rezension oberflächliche Hörerqualitäten, wie der Hinweis auf benutze "verschiedene Instrumente" neben Gitarren,Drums,Bass und Tasten erhebliche Mängel im Kontext musiktechnischen Verständnisses offenlegt. Das unter "Verschiedenes" abgelegte Instrument ist d a s prägendste, sowie auffälligste, wohl auch am spektakulärsten gespielte Instrument Blues Travelers: die Hohner Special 20 Harmonica. Die unbestrittene Virtuosität John Poppers auf diesem Instrument dürfte der Eric Claptons auf der Gitarre durchaus gleichgesetzt werden. Zur vorliegenden CD: Das vierte Album von BT bescherte der bis dato lediglich an der US-Ostküste bekannten Band, nationalen Durchbruch. Der Opener "Run-Around"- ein auf lateinamerikanischen Beat bewegter Rhythmus, rund, mit viel Klangfarbe "hit the airwaves" im Jahre 1993. Auch hier gilt: Diese neu entstandene Popularität beschränkte sich größtenteils auf die Vereinigten Staaten.In Europa allenfalls über lokal stationierte Sender der US-Army hörbar, bleiben BT - dem Schicksal ihrer großen musikalischen Inspiration Grateful Dead gleich- Unbekannte. Der zweite Titel Stand" - in ungewöhnliche Taktwerte zerstückelt, mit psychdelischem Gitarrensound, Stimmungswechsel und interessanter Songdramarturgie."Look-Around" mit "Just Wait"- die Balladen des Albums erinnern bei den Arrangements, insbesondere den Piano-und Gitarrenphrasierungen an Vorlagen von Nicky Hopkins und Mick Taylor aus kreativen Stones-Zeiten der Anfang-Siebziger. "Fallible","Crash-Burn","The Good,the Bad and the Ugly" und "Freedom" stellen die Jam-Band BT vor: auf dichtem Rhythmusteppich aus Bass/Schlagzeug scheint John Popper in eine für sich abgeschlossene Welt der Harmonica-Virtuosität mit rasant schnellen, sowie äußerst komplexen Soli zu entschweben. Popper beherrscht dieses Instrument selbst in den Obertönen so perfekt, daß die Klangkultur der erzeugten Töne, sich von gewohnten Harmonica-Klangbildern deutlich abhebt. Anspieltipp des Jam-Teils: das aufwühlende,energiegeladene, in schnelle Takteinheiten verpackte "Crash-Burn". "Radio-Like" sind die Stücke "Mountains win Again" und "Hook" produziert, ohne auch nur in einem Akkord musikalische Authenzität dadurch zu verlieren. Harmoniefülle dominiert hier vor der sonst üblichen komplexen Vertracktheit. Das Finish bildet das geniale "Brother John"- interessantes Harp-Intro, hörenswerte Rhythmus-Arbeit an der Gitarre, häufige -sich in einer genialen Songdramarturgie auslebende- Stimmungswechsel. Brilliant!!!! Zur Band: Blues Traveler gehören zu einem kleinen Kreis amerianischer Jam-Bands mit deutlich hörbarem Einflußspektrum der legendären Grateful Dead. Die Resultate gezeigter Bühnen-und Studioperformances dieser Musiker sucht man derzeit vergebens auf dem alten Kontinent. Die mittlerweile gängige Praxis der gewaltigen Musikmedien, in der Präsentation der Ware " Musik" dem Sinnesorgan Auge zu entsprechen, verdrängen Bands, die auf kostspielige und aufwendige Videoproduktionen zugunsten ihrer Musik verzichten, in eine Nischenecke. Dort verweilen Sie und warten, bis der -von genormten Mainstream-Produktionen- genervte audiophile Hörer, sich schwermütig auf die Reise begibt und sie dort, wo sie warten endeckt. Vielleicht wird man auch so - ein Blues Traveler.