Ich habe David Grays Musik lieben gelernt, nachdem ich "Life in slow motion" aus der Bücherei ausgeliehen hatte. Damals habe ich beim ersten Hören gedacht: Och ja, nett, kann man ganz gut nebenbei hören. Beim zweiten Mal schlichen sich dann einzelne Songs in mein Ohr und mein Herz - und mit jedem weiteren Hören entdeckte ich neue Aspekte, neue ungewöhnliche Melodieführungen und Textpassagen.
"Draw the line" habe ich mir sofort gekauft, als es herauskam, und fand es sofort toll. Ein gutes, spannendes Album, das gleich ins Ohr geht.
"Foundling" dagegen beschert mir wieder eine Erfahrung wie das erste - ich war beim ersten Hören etwas enttäuscht. Nett, dachte ich, aber irgendwie nicht so ein "Bang" wie bei "Draw the line". Aber je öfter ich es einlege, desto begeisterter bin ich. Es wirkt unaufgeregt, sehr zurückgenommen - aber die Lieder dringen mit der Zeit genauso tief ein wie die von "Life in slow motion" - wenn nicht sogar noch tiefer.
David Gray ist ein Meister der Hintergründigkeit - seine Melodien sind oft eigentlich ganz simpel, entfalten aber mit kleinen Wendungen und mit den großartigen Arrangements (inzwischen ja eher akustisch geprägt, was mir entgegen kommt - seinen großen Erfolg "White Ladder" werde ich mir wohl nie kaufen, das ist mir viel zu elektronisch) einen Reiz, den man erst entdecken muss. Genauso auch die Texte - oft einigermaßen kryptisch und teilweise auch einfach nur intelligente Sprachspielereien (muss so sein - Zeilen wie "Dog in the doorway - dyed in the wool. Dog in the doorway - doubt in the world" ergeben keinen anderen Sinn), sind sie aber auf jeden Fall alles andere als platt, und das ist für mich die Hauptsache.
Alles in allem jedenfalls ein wundervolles Album zum immer und immer wieder hören und immer und immer wieder Neues entdecken.