Neue Zürcher Zeitung
mc. Ein bisschen mühsam ist der Anfang. Weitschweifig beginnt es, die Spannung wird verzögert, fast aufgehoben durch allzu genaue Beschreibungen. Hat man den Krimi aber nach der Lektüre der ersten fünf Kapitel nicht verärgert zur Seite gelegt, wird die Mühe belohnt. Der Fall wird plausibel. Remzi Ünal, seinen Lesern bestens aus «Schnee am Bosporus» bekannt, Privatdetektiv nach gescheiterter Pilotenkarriere, navigiert in seinen Mussestunden imaginäre Objekte am Flugsimulator und laviert sich im realen Leben zwischen der brutalen Welt der Fussballspieler und dem Talmiglanz der Modebranche hindurch, hinter deren Kulissen es kaum weniger niederträchtig zugeht. Glücklich, endlich wieder einen Auftrag ergattert zu haben, bleibt Remzi Ünal cool wie Humphrey Bogart, unbestechlich und souverän. Raymond Chandler lässt grüssen, stellenweise auch Dashiell Hammett; die Machart klassischer amerikanischer Krimis hat Celil Oker, ein Werbefachmann, der mehr als flotte Sprüche klopfen wollte, auf heutige Istanbuler Verhältnisse übertragen, ohne der Metropole am Goldenen Horn das Flair zu nehmen.