Dass Julien Clerc längst zur ersten Garde der französischen Musikkultur zählt, inzwischen gar zum "Urgestein" des Chansons avancierte, ist vermutlich jedem Freund des tönenden Schaffens unseres Nachbarlandes bestens bekannt. Seine letzten Alben waren allesamt von hoher künstlerischen Qualität und eroberten Spitzenplätze der Charts - und solcher Erfolg verpflichtet. Folgerichtig kommt Monsieur mit einem neuen Album, das den vorangegangen in nichts nachsteht. Mit "Fou, peut-etre" erfindet sich der Sänger keinesfalls neu, sondern setzt auf seine Kompetenz als hervorragender Komponist, der seinen rhythmisch abwechslungsreichen Melodien die gewohnt markante und unverwechselbare Stimme verleiht.
Mit einer Auswahl der besten Texter (u.a. Dabadie, le Forestier oder Aznavour) entstand ein Album, das qualitativ zur Creme de la creme zeitgenössischer Tonkunst gezählt werden darf. Stets typisch a la francaise serviert der Sänger ein Menu, das vom ersten bis zum letzten Gang mundet, unterschiedlichste Geschmacksnuancen offeriert, doch niemals abgestanden oder gar fad schmeckt: Kommerziell, doch nicht anbiedernd, modern, doch dem klassischen Chanson verpflichtet, abwechslungsreich, doch nicht beliebig, häufig melancholisch, doch bar jeglichen Kitschs. Alleine der Titel "Les souvenirs", ein schwermütiges, wundervolles und zum Weinen schönes Beispiel für eine perfekt arrangierte Ballade, rechtfertigt bereits den Kauf dieser CD, die darüber hinaus mit vielen weiteren Chansonperlen aufwartet, die des Künstlers Reputation eindrucksvoll unterstreichen.
Der Verzicht auf maschinelle Instrumentierung zugunsten handgemachter Instrumente, der dieser gelungenen Produktion den letzten Schliff verleiht, macht sie zu einem Stück runden Hörvergnügens, das ein Hohelied auf das "Savoir faire" französischer Produzenten ebenso zu singen versteht, wie es trend- sowie modeunabhängig ist.
Bravo, Monsieur Clerc!