Nun habe ich das Buch zweimal durchgeblättert und auch einige Seiten gelesen, kann also nur einen ersten Eindruck wagen. Aber der ist schonmal eher enttäuschend. Denn die Autoren verwenden zwar in der Regel passende, zur Textaussage stimmige Fotos, die aber oft nur als 'schwach' empfunden werden können. Immer wieder gelingt es den Autoren in ihren Bildern eben nicht, das besondere Etwas auf der Strasse einzufangen. So schauen fotografierte Personen oft nicht in die Kamera (sondern irgendwo anders hin), sie sind auch oft verloren im Bild und bilden keine interessante Situation ab, die Spannung transportiert. Ebenfalls erzählen die Bilder oft keine (nicht mal noch so kleine) Geschichte, es sind häufig nur Knipsbilder, die zwar auf der Strasse gemacht, aber eben deshalb noch lange keine Strassenfotografie darstellen.
Ebenfalls die Bilder zum Thema Cityscape, Reportage und Essay ließen bei mir nur die Stirn in Wellen schlagen, ich kann hier einfach nicht nachvollziehen, wie so schwache, teilweise mit angeschnittenen Beinen, Teilen von Autos in Bildecken usw. gequälte Bilder den lernwilligen Leser aktivieren könnten, sich selbst für solche Themen zu aktivieren.
Sollte es Absicht der Autoren gewesen sein, bewusst 'harmlose' Bilder auszuwählen um den Leser nicht zu verschrecken, muss ich mein Haupt beugen und aus meiner Kritik ein Kompliment machen, denn dies ist dann zweifelsohne gelungen. Doch auch dann hätten die Angaben von Aufnahmeort und vielleicht sogar noch Autor bei den Bildern sicher nicht geschadet.
Mit den Kapiteln . . .
Einleitung (12 Seiten)
Ausrüstung (15 Seiten)
Erste Schritte (20 Seiten)
Technische Grundlagen (29 Seiten))
Bildgestaltung (35 Seiten)
Umgang mit Licht (39 Seiten)
Nacht- und Restlichtfotografie (37 Seiten)
Fotografische Serien und Essays (39 Seiten)
Der besondere Look (13 Seiten)
Bildrecht (11 Seiten)
. . . zeigt sich der recht didaktische Aufbau des Werkes. Immer wieder eingestreute 'Trainingseinheiten' wie etwa 'Menschen um ein Portrait bitten, Zeitaufwand: 3 Termine à ca. 2 Stunden' wird versucht, dem Thema Fotokurs Inhalt zu geben. Doch können weder diese Trainingsaufforderungen noch die den jeweiligen Themen mit den rund 35 Seiten kurzen Kapiteln dem Anspruch des Buches wirklich Genüge tun; sie sind oft einfach zu kurz, bilden wenig 'Fleisch am Knochen' ab und sind ' eben auch wegen der oft ungenügenden Bildbeispiele ' nicht geeignet, den Anfänger in Sachen Straßenfotografie wirklich weiter zu bringen.
Auch ist das Kapitel zum Bildrecht ' wenig überraschend bei den nicht mutigen Fotos ' auch wieder einmal geprägt von der in der Praxis unzutreffenden Einstellung, das der Fotograf stets das (ausdrückliche, am besten schriftliche) Einverständnis der portraitierten Person anzustreben habe, wenn er das Bild beispielsweise auf seinem Blog veröffentlichen wolle zu eng ausgelegt und wird den Leser eher lähmen als ihm nützen.
Mein ganz subjektives Fazit: Ich danke dem Verlag und den Autoren für ihren Mut, ein deutschsprachiges Werk zum Thema Strassenfotografie auf die Beine zu stellen. Es zeigt sich in den Bildern und Texten aber leider durchgängig, das die Strassenfotografie von dem Autorenduo eben nicht der (m.E. zutreffenden) Aussage folgt, Strassenfotografie liege typischerweise dann vor, wenn es die fotografierte Person nicht merkt oder nicht mag, fotografiert zu werden. Das Ergebnis dieser engen Wertung der Autoren sind Langeweile und Bravheit, Bilder die oft keinen zweiten Blick wert sind.