Eine sehr wichtige Unterscheidung, die Julian Rossig gleich auf den ersten Seiten seines Buchs "Fotojournalismus" macht, ist die zwischen einem Pressefotografen und einem Bildjournalisten. Für ersteren, dessen kunstvolle Bilder ab und zu den Weg in eine Zeitung finden, ist sein Buch nicht gemacht. Zwar gibt es auch Kapitel, die sich mit Portraits und Panoramen beschäftigen - doch richtet sich Rossig nicht an Künstler, sondern an Journalisten, die mit ihren Bildern Nachrichten überbringen wollen.
Die "Mission" des Bildjournalisten und der Einsatz von Stilmitteln werden zuerst ausgeführt, anschließend gibt Rossig einen Überblick über die technischen Grundlagen. Wer hier glaubt, Blendenstufen oder Bildwinkel wären egal, seit es Photoshop gibt, hat sich getäuscht. Da Bildbearbeitung viel zu lange dauert im stressigen Redaktionsalltag, ist die Qualität der Fotos immer noch sehr wichtig.
Ein ganzes Kapitel widmet Julian Rossig dann einem wichtigen Thema: dem Fotografieren von Menschen. Mit anschaulichen Bildern und vielen Erklärungen werden dem Leser Tricks für Portraits und Gruppenbilder nahe gebracht.
Aber nicht nur die Fotografie in der Praxis, sondern auch die Bildauswahl der Redakteure und das Erstellen von Bildunterschriften finden auf einigen Seiten Platz. Das Buch ist ein guter Einstieg für Jungfotografen, aber auch für Journalisten, die oft selber Fotos machen, da es ausführlich erklärt, ohne langweilig zu werden. Anekdoten aus dem Redaktionsleben und das lockere Erzählen von eigenen Erlebnissen machen das Verstehen leichter.
Unpraktisch ist allerdings, dass es keine tabellarische Übersicht über technische Details gibt, in der man schnell einmal nachschlagen könnte, bevor man zu einem Termin geht. Auch eine kleine Zusammenfassung am Ende jeden Kapitels fehlt leider, mit der man sich das Gelesene noch einmal einprägen kann.
Für Hobbyfotografen und Fans von Schnappschüssen ist das Buch nicht zuletzt deswegen weniger geeignet. Wer sich hingegen näher mit dem journalistischen Fotografieren beschäftigen möchte, für den ist Rossigs "Fotojournalismus" sicherlich lesenswert.