"Zuviel Lichttechnik belastet und lenkt oft von der vorhandenen Lichtstimmung ab" (Seite 206).
Eib Eibelshäuser, Fachlehrer an der FH in Düsseldorf, stellt mit seinem Buch hohe Ansprüche an den Leser: Beginnend mit langatmigen Abhandlungen über die Lichtgestaltung und -wahrnehmung in der Malerei (z.B. bei Vermeer, Caravaggio), über ebenso nischeninteressante Beschreibungen der gleichen Thematik in der Fotografie, ist das erste Kapitel, das mich als Hobbyfotografen gefangen hat, die Einführung in die Wahrnehmungspsychologie und die Gestaltungsgesetze, denen der Autor wiederum zu wenig Raum gibt.
Unbrauchbar ist für mich das große Kapitel der verschiedenen Leuchtmittel, also Glüh- oder sonstige Birnen. Ich weiß nicht, ob es Herrn Eibelshäuser gelungen ist, alle Arten hiervon mit ihren Eigenschaften aufzuzählen; ich wage zu bezweifeln, dass man sich als Fotograf mit so etwas tatsächlich auseinandersetzen muss.
Manche Kapitel wirken unfertig, nur der Vollständigkeit halber eingefügt, z.B. das über die Lichtlenkung. Neben den offenbar unvermeidlichen Erklärungen verschiedener Begriffe wie Reflexion, Transmission, Absorption etc. wird kurz auf Lichtformer eingegangen, der Autor zeigt aber weder Bilder davon, noch irgendwelche Aufbauten. Es fällt schwer, sein immer wiederkehrendes Beispielmotiv mit dem Text in Übereinstimmung zu bringen.
Der Vorteil von Tageslicht ist: Es ist immer vorhanden, außer bei Nacht. (Seite 98)
Solche Erklärungen findet man in den folgenden Kapiteln, in denen Eibelshäuser konkrete Lichtsituationen aufnimmt, immer wieder.
Tag, Nacht, Weiches Licht, Hartes Licht: Eiblhäuser bringt im Weiteren richtige Informationen und Ideen ins Buch, allerdings nun für ein Publikum, das er in der ersten Hälfte des Buches bereits verloren hat. Wer es bis hierher geschafft hat, findet nichts Neues mehr.
Richtig ärgerlich sind die Bilder, die im letzten Teil des Buches gezeigt werden. Nach der Lektüre dieses Buches sollte man erwarten, Arbeiten zu finden, die einen AHA-Effekt erzeugen: SO kann das also ausschauen, wenn man Lichtführung ernst nimmt. Tatsächlich werden Fotos abgebildet, die technisch und fotografisch einfach nur schlecht sind (siehe Kapitel 'Lichtinszenierungen' und folgende).
Fazit: Ich bin mit hohen Erwartungen an die Lektüre dieses Buches gegangen. Der Untertitel verspricht immerhin 'Bessere Fotos durch gekonnte Lichtführung'. Diesem Anspruch wird der Autor nicht gerecht. Für Studierende der verschiedenen Richtungen mag das Buch als Pflichtlektüre durchgehen, für Fotografen, und auch für ambitionierte Amateure, ist das Buch zu kopflastig, unstrukturiert, der rote Faden ist nicht erkennbar. Keine Empfehlung.