In den letzten drei Tagen habe ich mir das neue CLS-Werk aus dem Galileo Design Verlag komplett durchgelesen. Das Buch entspricht in Aufmachung, Aufteilung und Schreibstiel den Erwartungen, die ich an ein Buch dieses Verlags stelle. Inhaltlich hat es bei mir jedoch die Erwartungen nicht erfüllt.
Das Buch geht auch stark auf die Technik ein. So werden alle aktuellen Nikon-, Metz und Sigmablitze genau erklärt und die Bedeutung der Menüpunkte erläutert. Auch die digitale Nachbearbeitung nimmt einige Seiten am Ende des Buches ein. Die Aufnahme am Kapitelstart verspricht allerdings mehr, als man erwarten darf.
Bei den Außenaufnahmen hätte ich mir doch ein Model gewünscht, dessen Bräunungsunterschiede vom Bikinitop nicht so ausgeprägt sind. Alternativ hätte man dies mit geeigneterer Kleidung ohne nennenswerten Aufwand kaschieren können.
Als Kenner der ersten Stunde von Andreas Jorns Buch zur Nikon System-Blitztechnik und inzwischen auch der ein oder anderen praktischen Erfahrung mit den Nikon Systemblitzen habe ich mich über die exzessive Nutzung des Diffusors (Joghurtbechers) doch schon sehr gewundert. Vor allem die Aufnahmen im Freien, bei denen die Wirkung eines Diffusors hervorgehoben wird, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen. Einzig bei der Verwendung von diesen 'Diffusorsäckchen' könnte ich mir eine minimale Wirkung beim direkten Blitzen vorstellen, diese werden in den jeweiligen Texten zu den Aufnahmen jedoch nicht erwähnt. Auch wie der Joghurtbecher die Aufnahmen in der Kirche (S. 215/216) mit diffusem Licht umspült hat, wird wohl das Geheimnis der Autoren bleiben. Für die Betriebsart BL wird im Buch durchgängig Balanced Light angegeben, was laut Nikon Balanced Fill bedeutet. Dass die Arretierung der Nikon Blitze mittels des Stiftes einfach und angenehm in der Anwendung ist, kann ich bestätigen, jedoch nicht, dass die Arretierungen der Fremdhersteller mittel der Rändelmuttern bei mir jemals zu Kontaktproblemen geführt hätte. Dazu ist der Federweg der Kontakte meiner Blitze weitaus größer, als die 0,5mm, die der Blitz von der Rändelmutter beim Festziehen angehoben wird.
Der manuelle Belichtungsmodus (M) war im Buch durchweg die Ausnahme. Nahezu durchgängig wurden die Automatikprogramme P, S und A verwendet. Wer sich eigehender mit der Reproduzierbarkeit von Aufnahmen auseinandergesetzt hat weiß, dass hier zwei Automatiken (P, S oder A und iTTL) aufeinander treffen und sich die Ergebnisse in den wenigsten Fällen reproduzieren lassen. Diese Problematik wird im Buch an keiner Stelle erwähnt. So ist bei den Aufnahmen auf Seite 162 bis 165 ausschließlich der Modus A (auch im Text beschrieben) in Verwendung, geleichwohl wird aber auf das Problem verwiesen, das Blau des Himmels einzufangen. Im M Modus aus meiner Sicht keine große Herausforderung.
Auch einige der Aufnahmen im Buch, die dem Leser das Potential der CLS-Blitztechnik zeigen sollen, erscheinen mir etwas unmotiviert entstanden zu sein. So sind bei der Aufnahme auf Seite 185 drei Strahler in der Aufzugdecke defekt und der SB-600 links unten leuchtet den Aufzugboden so ungünstig aus, dass der Blick immer wieder vom Model wegwandert.
Im Kapitel zur Makrofotografie wird anfangs das Makroblitzkit R1(C1) mit als nicht einfach handhabbar und nicht in jeder Situation schnell einsetzbar beschrieben. Nun, wenn ich bewusst losziehe um Makroaufnahmen zu machen, werde ich kaum noch lange Telebrennweiten mitnehmen, um Vögel zu fotografieren, die zufällig meinen Weg kreuzen. Weiter wird auf Seite 194 zum Makroblitzkit geschrieben, dass acht SB-200 auf dem Adapter an der Objektivfront angebracht wurden. Kein Nikkor-Objektiv ist in der Lage diese Belastung aufzunehmen. Die maximale Anzahl von SB-200 im Adapter am Objektiv beträgt vier. Etliche Objektive können nur zwei oder drei SB-200 tragen.
Die Belichtungskorrektur der Blitzleistung auf Seite 22 wird auch nicht richtig beschrieben. Hier ist die Beschreibung der EV (Exposure Value = Lichtwert) ' Korrektur ist falsch. Die Veränderung des Lichtwerts (EV) um den Wert 1 entspricht dem Wert einer Blende. Korrigiert man die Blitzleistung um -0,3EV, ist die Blitzleistung 0,3 Blendenwerte geringer, nicht 1/3 der abgegebenen Blitzleistung.
Im Großen und Ganzen bin ich über das Buch hin und her gerissen. Verglichen zum Buch von Andreas Jorns ist es ganz klar ein konkurrierendes Werk, das einen Schwerpunkt auf die Blitze legt. Die Korrekturlesung hat bei Galileo um einiges besser funktioniert als bei Data Becker, was aus meiner Sicht die sachlichen Schwächen keines Falls ausgleicht. Einsteigern in die CLS-Blitztechnik kann ich dieses Buch nicht empfehlen, auch wenn hier mehr auf die Blitze selbst und deren Einstellmöglichkeiten eingegangen wird. Doch hierfür gibt es die Bedienungsanleitungen, die aus meiner Sicht ausreichend Aufschluss über die Betriebsarten und Einstellmöglichkeiten bieten.
Die Namen der Autoren und die Kooperation mit der Nikon School haben meine Erwartung nicht erfüllen können. Einsteigern wird es mit Verwendung zweier Automatikprogrammen (P, S oder A und iTTL) unnötig erschwert reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen ohne darauf hinzuweisen. Und die nahezu gebietende Nutzung des Joghurtbechers erschließt sich mir vielleicht eines Tages. 'oder auch nicht.
Update (06.06.2011): Nach dem es Andreas Jorns in einem Form schon öffentlich gemacht hat, kann man es auch hier verraten: Es wird ein weiteres Blitzbuch von ihm geben, das sich ausschließlich auf das Blitzen nach Stobistenart bezieht. Der Verlag wird galileo Press sein.