Nicht erst die derzeit mit immenser Geschwindigkeit sich verbreitenden Digitalkameras sind Indiz für die Lust am Bild, sondern seit der Möglichkeit, visuelle Eindrücke auf Papier zu bannen, ist die Betrachtung dieser Augenblicksdokumente eine kulturell nicht mehr wegzudenkende Form der Auseinandersetzung mit dem Gesehenen.
Der Autor hat einen Ratgeber für die (analoge) Fotografie verfasst, der neben aller technischen und funktionalen Beschreibung der unterschiedlichen Apparate und Kameras darauf Wert gelegt, darauf einzugehen, wie ein Bild zunächst entsteht, nämlich im Kopf des Fotografen beziehungsweise der Fotografin.
Bei aller moderner Technik, die eine überirdische Masse an Bildern zu einer diffusen Flut produziert, hängt die Qualität eines Fotos von ganz anderen, als den technischen Faktoren ab. Es geht eben, wie der Titel des 380 Seiten starken Buches vermuten lässt, um das bewusste Sehen und die gestalterische Umsetzung dessen, was es aufzunehmen oder auszudrücken gilt. Dabei spielt selbstverständlich auch eine Rolle, welche Blende, Farbtemperatur, Filter oder Belichtungszeiten gewählt werden.
Der Schwerpunkt des buches ist eindeutig die analoge Fotografie, wenngleich Aufnahme- und Bildgestaltungsgesetze selbstverständlich auch für die digitale Fotografie gelten.
Das Allerwichtigste ist doch, was als Motiv erkannt und wie dieses mit welchem Ziel schließlich in das Rechteck oder Quadrat des Bildausschnittes gelangt. Hier gibt der Fotograf jede Menge Hilfestellungen und Hinweise und unterstreicht diese theoretischen Ausführungen stets mit eigenen Beispielbildern, die es erleichtern, das Geschriebene zu verstehen und in die eigene Praxis zu übertragen.
Sämtliche Techniken, Vorgänge, Apparate und das Zubehör werden verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Alles, was die Fotografie ausmacht, findet sich in dem handlichen Werk: Kameras, Objektive, Belichtungsgeräte, Aufnahmepraxis, Filmmaterial, Bildgestaltung und -struktur, Farbgestaltung, Motive, Publikation, Aufbewahrung bis hin zur Arbeit in der Dunkelkammer.
Lediglich die nur knapp angedeuteten Angaben zur Digitalfotografie und das etwas triste Layout des Buches erinnern, dass es sich um eine Neuauflage nach mehr als zwanzig Jahren handelt, auch wenn offensichtlich Aktualisierungen im Text und bei den Fotos vorgenommen wurden.
Dennoch ist es ein umfassendes Lernbuch für Fotoamateure, die in die Welt der Fotografie eintauchen und sich entwickeln wollen und das auch noch zu einem absolut attraktiven Preis. © 11/2004 Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.