Mit Fortune de France eröffnet Robert Merle sein ehrgeiziges Projekt, eine entscheidende Phase der französischen Geschichte am Beispiel des Schicksals einer kleinen hugenottischen Adelsfamilie literarisch aufleben zu lassen. Dabei geht es ihm zur Freude des Lesers nicht um die wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion historisch verbürgten Geschehens, sondern um den Menschen inmitten der Wirren dieser Zeit, welche von Kriegen, Pest, Machtkämpfen, vor allem aber von den Auseinandersetzungen zwischen dem katholischen und dem reformierten Glauben geprägt ist.
Erzählt wird die Geschichte vom jungen Pierre de Siorac, in diesem ersten Band erfahren wir vom Aufstieg seiner Familie, von seiner Kindheit bis hin zu seinem Aufbruch zum Studium der Medizin, den als zweitgeborener Sohn besitzt er kein Recht am Erbe und muss sich um ein Auskommen kümmern.
Sein Vater Jean de Siorac entstammt einer Apothekerfamilie, die sich nach einem Landerwerb mit dem de geschmückt hat, hatte aber sein Medizinstudium wegen eines Duells abbrechen müssen und sich als Söldner verdingt. Nach einer sehr erfolgreichen militärischen Karriere hat er nicht nur einen treuen Freund in Jean de Sauveterre gewonnen, sondern auch die offizielle Erhebung in den Adelsstand und eine Menge Geld. Nach Südfrankreich zurückgekehrt erwerben sie die Baronie von Mespech und als Jean mit 32 Jahren die fünfzehnjährige Isabelle de Caumont heiratet, scheint das Glück vollkommen.
Die politischen Ereignisse in Frankreich werden aus dem Mikrokosmos der kleinen Gemeinschaft in Mespech beschrieben, wodurch Geschichte Lebendigkeit erreicht. Schwierigkeiten ergeben sich vor allem dadurch, dass sich der nach einem weiteren Kriegszug zum Baron aufgestiegene Jean de Siorac und sein Freund zum reformierten Glauben bekennen, obwohl Jean de Siorac von seiner Königstreue keinen Hehl macht. Alle Ereignisse der großen Politik finden immer einen ganz realen Niederschlag im Alltag in Mespech, sei es durch Überfälle marodierender Banden im Chaos des Bürgerkriegs oder der Pest, der begegnet werden muss, vor allem aber durch die Tatsache, dass sich Isabelle weigert, von ihrem katholischen Glauben abzurücken.
In diesem Umfeld wächst Pierre auf und dadurch, dass er Vater und Mutter gleichermaßen liebt und von ihnen beeinflusst wird, gewinnt er in religiösen Dinge ein in damaligen Verhältnissen seltenes Gefühl der Toleranz.
Der Roman zieht den Leser vor allem durch das Vergnügen des Autors, Details zu schildern, das mögliche Leben in vielfältigen Facetten darzustellen, in seinen Bann, die Figuren wirken ungemein lebendig.