Glückstadt, 1894: Kapitän Hauke Sötje kehrt als gebrochener Mann in seine Heimatstadt zurück, nachdem er ein Jahr zuvor sein Schiff und seine Mannschaft verloren hat. Wenn auch gerichtlich von aller Schuld freigesprochen, quält er sich mit der moralischen Schuld.
Unerwartet wird er in Glückstadt mit den Schatten seiner Vergangenheit konfrontiert.
Alles deutet darauf hin, dass William Fergusson in der Stadt ist. Der Mann, der seiner Mannschaft den Tod brachte und ihm den Verlust seiner Ehre.
Auf jeden Fall stellt sich schnell heraus, dass jemand versucht, die Gründung der neuen Glückstädter Heringsfischerei Actiengesellschaft zu sabotieren, und dabei auch nicht vor Mord zurückschreckt.
Der undurchsichtige Kulturattaché Werner von Lahn erzwingt von Hauke die Hilfe bei der Suche nach dem Saboteur. Hauke gewährt sie und bekommt bei seinen nicht ungefährlichen Nachforschungen unerwartete Unterstützung von der jungen Sophie Struwe, die aus ihrem behüteten Leben gerissen wird, nachdem ihrem Vater Betrug vorgeworfen wurde. Als die väterliche Möbelfabrik einem Brand zum Opfer fällt, erwacht Sophies Kämpfergeist.
Die fortschrittliche junge Frau setzt alles daran, die Ehre der Familie wiederherzustellen.
Anja Marschalls historischer Krimi lebt von den ausdrucksstarken und stilsicher beschriebenen Charakteren der Mördersuche. Spannend,amüsant und liebevoll im Detail - und was mir wichtig ist: niemals belehrend - nimmt sie den Leser mit auf eine Reise in die Zeit, in der das Telefon noch als Wunderwerk bestaunt wurde, und junge Frauen gezwungen waren, sich in enge Mieder zu schnüren.
Mein Kopfkino funktionierte dank des anschaulichen Schreibstils und ich fühlte mich bestens unterhalten. Ein tolles Debüt!