Hier ist endlich mal eine Autorin die versteht wovon sie redet. Im Klappentext erfährt man dass sie studierte Historikerin ist - und das merkt man auch!
Endlich mal kein oberflächliches "Er ging links am Forum voprbei und kam zu den Thermen, die gebrannten Ziegel des Daches hatten eine tiefrote Farbe und dann ging er weiter nach links zu..."-Gelaber.
Die Autorin kennt sich vorzüglich mit der römischen Philosophie, den Sitten und der damaligen Zeit aus, und sie schafft es, dieses Wissen unaufdringlich dem Leser zu vermitteln.
Das Buch ist ein Krimi aus Trier, Hauptperson ist eine aufsässige Küchensklavin. Bei ihrem vorigen Herrn lernte sie lesen und schreiben; seitdem flüchtet sie durch das Lesen von Schriftrollen aus ihrer begrenzten Welt und zieht die Weisheiten der Philosophen heran, um sich mit ihrem Leben zurechtzufinden - was sie auch braucht, da sie in ihrem neuen Haushalt beim Statthalter von Trier als Unruhestifterin gilt und für jedes Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden soll. (U.a. den Diebstahl von Schriftrollen, was jedoch wirklich auf ihr Konto geht - sie wollte sie nur "ausleihen").
So gerät die aufsässige Inivita auch in die Kriminalgeschichte - sie ist in den Augen der Herrschaft verdächtig und muss deshalb den seltsamen Vorkommnissen im Hause des Stathalters auf den Grund gehen, um sich selbst von der Anklage reinigen zu können. Wegen ihrer angeborenen Neugier fällt ihr das nicht schwer (hat diese sie doch erst in diese mißliche Situation hineingebracht).
Invita ist also eine teilweise etwas widerwillige Detektivin, außerdem ist dies eine interessante Idee, da sie ja eine gesellschaftliche Position hat, in der sie absolut keinen Einfluß hat und kaum über sich selbst bestimmen kann.
Das Sklavendasein ist durchaus realistisch dargestellt, dem Leser wird bewusst gemacht, dass der Herr die absolute Gewalt über die Zeit, die Gesundheit und sogar das Leben der Sklaven hat. Durch Invitas spöttische und sarkastische Art und ihre manchmal pathetische Art, sich an den alten Philosophen festzuklammern, wird dies jedoch versüßt und ist trotz allem ein leichter, lustiger, spannender Roman.
Diesen Roman würde ich allen empfehlen, die historische Romane mögen, die Krimis mögen und die sich für Geschichte interessieren.
Man muss auch nicht Geschichte studieren um das Buch zu lesen, die Handlung wird nicht von den historischen Details belastet; hierbei finden sich auch viele Andeutungen.
Allgemein:
Humor: 1
Spannung: 2+
Hintergrund: 1+
Sprachlich: 2
Das Buch ist in 1. Person geschrieben, die Gedanken von Invita werden teilweise genauso, wie sie sie denkt wiedergegeben. Ich mag eher "gestelztere" Sprache, aber es erleichtert natürlich den Lesefluß. Und trotz aller Bildung ist die Hauptperson ja eine Sklavin.
Krimihandlung:
Aufbau: 1
Auflösung: 1-
Logik der Auflösung: 1-
Komplexität: 1+
Werde mir auf jeden Fall Teil 2 holen!