Kurzbeschreibung
Sie hat uns überzeugend erklärt, warum es so kompliziert ist, eine Frau zu sein. Nun legt Katja Kullmann ihre erste Erzählung vor: die faszinierende Geschichte einer jungen Frau, die ein ganz anderes Leben will. Ein großartiger Neuanfang soll es sein: Simone kommt aus dem Dorf in die Stadt, mit kleinem Gepäck, großen Hoffnungen und ein paar Erinnerungen, die sie dringend loswerden will. Bloß keine Schinkenbrote mehr essen und nicht mehr »Fräulein« genannt werden. Die bunte Illustriertenwelt ist die Vorlage für ihren Traum. Sie hat sich ihren Dialekt abtrainiert, kennt sich aus mit Glitzerkleidern und weiß genau, was Schönheit kostet. Aber Simone landet in den Katakomben der Stadt, im Studio de la Beauté. Der Arbeitskittel kratzt, die Kolleginnen bleiben ihr fremd, alles riecht nach künstlicher Vanille. Und nach einer großen Enttäuschung. Dann erscheint ein neuer Kunde. Jung, gebildet und gewandt, umschmeichelt er sie mit verführerischen Wortspielen, und je länger sie ihm zuhört, desto mehr wird er ihr zum Rätsel. Mit gewohntem Fleiß setzt sie alles daran, dieses Rätsel zu lösen doch er ist nur 45 Minuten pro Woche bei ihr. Mit eingängiger Sprache und raffinierter Dialogführung erzählt Katja Kullmann ein Drama des Alltags, das hoffnungsvoll beginnt und tragisch zu enden droht. Die Geschichte von Simone zeigt auf komische und anrührende Weise, wozu es führt, wenn jemand alles richtig machen will und trotzdem nicht überall mitspielen darf.
Der Verlag über das Buch
Nach dem Bestseller »Generation Ally« folgt jetzt das literarische Debüt von Katja Kullmann
Über den Autor
Katja Kullmann, geboren 1970, Studium der Gesellschaftswissenschaften, danach Redakteurin für "Prinz", dpa und "Bizz". Sie schreibt für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Financial Times" Deutschland. Sie lebt als freie Autorin in Köln.
Auszug aus Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad von Katja Kullmann. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
»Wo kommen Sie denn her«, hatte er gleich bei seinem ersten Besuch gefragt, mit Betonung auf dem »Sie«, kaum, dass er zum ersten Mal durch die elektronische Schiebetür getreten war. Es war ein diesiger Frühlingsdonnerstag im Jahr Zweitausenddrei gewesen, er hatte sich noch nicht einmal umgesehen im Studio de la Beauté.
Sie hatte zur Begrüßung »Guten Tag« gesagt oder »Herzlich Willkommen« oder »Was kann ich für Sie tun«, so war es üblich bei Neukunden, und er hatte sofort das Zugezogene an ihr bemerkt.
Was ihm einfiel, hätte sie beinahe zurückgefragt.
Sich nach ihrer Herkunft zu erkundigen, einfach so. Er in seinem Anzug, für den er viel zu jung war, wie sie fand. Ein Angeber, auf den ersten Blick. Von denen kannte sie genug.
Sie hatte zur Begrüßung »Guten Tag« gesagt oder »Herzlich Willkommen« oder »Was kann ich für Sie tun«, so war es üblich bei Neukunden, und er hatte sofort das Zugezogene an ihr bemerkt.
Was ihm einfiel, hätte sie beinahe zurückgefragt.
Sich nach ihrer Herkunft zu erkundigen, einfach so. Er in seinem Anzug, für den er viel zu jung war, wie sie fand. Ein Angeber, auf den ersten Blick. Von denen kannte sie genug.