In "Fort von hier" erzählt Niccolò Ammaniti spannungsreich und einfühlsam zwei parallel laufende Geschichten, die sich vorwiegend in und um Ischiano Scalo abspielen, einem fiktiven Provinznest in der südlichen Toskana an der Grenze zum Latium.
Zum einen beschreibt Ammaniti die wunderbare Teenager-Freundschaft zwischen einem sensiblen, träumerischen Jungen aus schwierigen, familiären Verhältnissen und einem wohlbehüteten, bildhübschen Mädchen aus guter, betuchter Familie. Zum anderen wird die Geschichte eines alternden Frauenhelden erzählt, der sich nach einem turbulenten Sexualleben nach Sesshaftigkeit und der wahren, großen Liebe sehnt.
Ammaniti gelingt es, die beiden Geschichten kunstvoll miteinander zu verflechten. Das Ende ist tragisch, aber ich möchte nicht vorgreifen. Sehr eindringlich schildert Ammaniti die seelische Not des 12jährige Pietro, der dem Terror einiger brutaler Burschen ausgesetzt ist. Sexualszenen, die sich in den (nicht fiktiven!) Thermen von Saturnia abspielen, werden ebenfalls äußerst drastisch wiedergegeben, "ammanitisch" sozusagen.
Niccolò Ammaniti ist mit Sicherheit ein ganz großes Erzähltalent, das noch einiges erwarten lässt. Wem "Fort von hier" (Originaltitel: Ti prendo e ti porto via) gefallen hat, kann gleich zu einem anderen Buch des Römers greifen, das ich für noch gelungener halte: "Ich habe keine Angst" (Originaltitel: Io non ho paura).