Aus der Amazon.de-Redaktion
Einmal HipHop, immer HipHop, das kann auf Dauer ganz schön langweilig werden, sagten sich wohl die Die Fantastischen Vier. Das neue Album
Fornika kommt fast ohne die charakteristischen Samples aus, beschwört auf vielen der 13 Stücke den Synthi-Pop der 80-er. Klar, es wird weiterhin auf Deutsch gerappt, aber auch hier regiert das Spiel mit Melodie und Chor, und statt Nonsense-Reimen oftmals Doppelsinniges und Lakonisches. Fanta 4 stellen sich der Herausforderung ins Erwachsenenfach zu wechseln auf durchaus hohem Niveau.
Als Kontast zum Text zu Mehr nehmen über die Nimmersatt-Gesellschaft, meldet sich auf der ersten Single Ernten was wir säen der Zukurzgekommene zu Wort. Überraschenderweise mischt hier in den Gesangslinien die Münchner Freiheit mit und garantiert für einen Ohrwurm. Als Hintergrundgrundstimme für das Liebeslied Einfach sein konnten Fanta 4 sogar Herbert Grönemeyer gewinnen. Yeah Yeah Yeah kann man als Abgesang auf die Spaß-Party-Gesellschaft verstehen. Falco-Rap und Neue-Deutsche-Welle-Schnipsel machen aus Nikki war nie weg eine echte 80-er-Jahre-Hommage, während es auf dem Titelstück mit der Stimme des Autors Günther Amendt richtig mystisch zugeht. Der Zorn über die Erkenntnis wir sind wie unsere Alten löst sich auf Du mich auch in einem lustigen Quengel-Chor auf, und bei Du und Sie und Wir gehts um Konkurrenz, aus der irgendwann einmal Liebe wird. Klingt Thomas D. auf Flüchtig zu Gitarre und Synthesizer schon sehr in sich gekehrt , bestimmt Wehmut das Schlussstück Was bleibt zu perkussiv verstärkten Tribal-Chören. Alles in allem nicht so schnell eingängig, aber bestimmt auch nicht so schnell abgenutzt. Auf dem Fornika - Premium Edition Digipack gibts noch zwei Videos zu sehen. -- Ingeborg Schober
Altern heißt nicht zwangsläufig Abdanken: Das hatten die Fantastischen Vier nach längerer Pause schon 2005 mit "Viel" bewiesen. Die Fans sind längst wieder troy - auch oder gerade weil sich die vier Fast-Vierziger mittlerweile mehr im Pop als im HipHop bewegen. Mit dem starken letzten Album im Rücken und der auf Charterfolg gepeilten Single "Ernten was wir säen" in Vorlage können sie die bandtypische Reflexion auf "Fornika" spielerisch angehen. Angst, sich zu wiederholen? Da nehme man doch einfach eine Melodie, die auch als Medley vorangegangener Hits durchgehen könnte, paare sie mit Wortwiederholungen ("keiner keiner kennt die Antwort die Antwort auf alle alle deine deine Fragen Fragen") - und schon schält sich aus der Wiederholung das Neue heraus, das doch unverkennbar das Alte ist. Zugegeben: Nicht jedes Stück kommt so vielschichtig daher. Füllmaterial ist auch dabei: das ebenso selbstverliebte wie langweilige "Du und sie und wir" oder "Du mich auch", echte Null-acht-Fanta-Ware. Aber sich als Beweis für die eigene Popularität und ihre Position innerhalb der deutschen Poplandschaft gleich den Konsenskünstler Grönemeyer für einen Refrain ranzuholen: groß. (kab)
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