Ich bin mit dieser Band groß geworden. Als Kind fand ich 'Zu geil für diese Welt' wunderbar anstößig, als Jugendlicher fand ich es cool, mit der Hose in den Kniekehlen den Songtext von 'Le Smou' mit Edding an die Wand der Schultoilette zu malen und heute sitze ich als Student der Literaturwissenschaft an meinem Schreibtisch und beschäftige mich mit den Texten auf einer beinah sprachwissenschaftlichen Ebene. Schön, dass die Fantas diesen Weg mit mir gegangen sind!
Dennoch war ich zunächst skeptisch, als ich 'Fornika' zum ersten Mal anhörte. Viele Titel wirkten hektisch und lieblos 'herunterproduziert'. Beim zweiten Hören (für das ich mir wesentlich mehr Zeit nahm) entfalteten viele Titel erst ihre wahre Größe. Spätestens nach dem dritten Durchgang war ich dann doch wieder einmal begeistert, was mit deutscher Sprache möglich ist. Inzwischen ist die Platte dauerhafter Gast in meinem CD-Player, will sagen: Ich höre sie rauf und runter. Dass manche Titel wie Füllwerk wirken, ist zwar schade, tut den übrigen Titeln aber keinen Abbruch.
'Mehr nehmen' ist als Opener ganz OK, hat aber nicht den Ohrwurmcharakter der folgenden vier Toptitel: 'Ernten, was wir säen', 'Einfach sein', 'Yeah, yeah, yeah' und 'Nikki war nie weg'. Ob die Songs durch Münchener Freiheit oder Grönemeyer wirklich besser werden, bleibt dahingestellt, aber sie gehen ins Ohr und bleiben da. 'Yeah, yeah, yeah' habe ich live beim Konzert erlebt und muss sagen, dass ich noch nie eine ganze Halle so hab' abgehen sehen. 'Nikki war nie weg' ist ein weiteres Sahnestück, das mit Trompeten (oder Posaunen) in den Strophen schon fast ein wenig an Seeed erinnert. 'Fornika' selbst mutet sehr düster an und der Text ist mitunter schlicht widerlich, aber trotzdem oder gerade deshalb genial. In 'Du mich auch' wird unverblümt geschildert, dass man zwangsläufig immer so wird wie man damals nie sein wollte und 'Mission Ypsilon' war längst überfällig: Endlich kann Andy auch mal Gas geben statt immer nur im Hintergrund herumzuwuseln. 'Ichisichisichisich' ist der letzte Titel in gemeinschaftlichem Fanta-4-Sound, bevor der Thomas-D-lastigere Teil des Albums beginnt. Mit 'Du und sie und wir' wird aber auch dieser humorvoll unterbrochen, bevor mit 'Was bleibt' Max Herres Stimme an Esperanto-Zeiten und 'Nebelschwadenbilder' erinnert.
So schlägt diese Platte unter dem Strich die eher nachdenklichen Töne an. Rebellion war gestern. Heute ist Philosophie auf hohem Niveau angesagt, bei der man sich getrost auch mal in den Sessel lehnen darf. Einzig die 3 Bonustitel, von denen zwei schlicht nerven und die doch sehr starke 'Thomas-D-Lastigkeit' trüben das ansonsten perfekte Bild. Das Booklet hingegen ist wieder ein wahrer Leckerbissen.
So kann ich ruhigen Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen, obwohl es die Version ohne Bonustitel auch getan hätte. 'Fornika' wird - neben dem All-time-Klassiker '4 gewinnt' wohl eine meiner Lieblingsplatten der Schwaben werden.