Weissmann versucht sich an einem umfassenden Überblick über die derzeitigen Theorien und empirischen Befunde zum Thema Gewalt an Schulen. Sie sieht sich mit dem nicht zu übergehenden Problem konfrontiert, dass in den 1990ern bis heute eine unglaubliche Fülle an wissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema erschien, welche eine präzise Definition des Phänomens leider nicht ermöglicht. Paradoxerweise hat die Forschung zu Gewalt zwar Klarheit über das Ausmaß von Gewalt an Schulen geschaffen, jedoch können die Ursachen auch von Weissmann nicht ansatzweise erklärt werden.
Zwei Schwachpunkte des Buches möchte ich dem potenziellen Käufer erläutern: 1. Ich war überrascht über die formalen Mängel der Buches (orthografische Fehler, halbe Sätze, unverständliche Satzkonstruktionen, mysteriöse Doppelungen von Passagen, unvollständige/uneinheitliche Zitierweise), die ein flüssiges Lesen zeitweise erheblich erschweren. Ausserdem missfällt mir mangelnde inhaltliche Tiefe der Argumentation und vor allem das undurchsichtige Beziehen einer wertenden Position (Aber das ist wohl Geschmacksache!)
2. Die Autorin zitiert mit Freude aus wenigen Standardwerken (allen voran Schubarths und Tillmanns Bücher). Es scheint, als wolle sie dem Leser beweisen, diese Werke in Gänze gelesen und verstanden zu haben, was selbstverständlich niemand anzweifeln wird. Leider setzt sie sich kaum kritisch mit den Autoren auseinander, so dass einem der Gedanke kommt, dass die Lektüre dieser Werke gewinnbringender sein könnte als die Aufbereitung in Weissmanns Werk.
Als Überblick ist das Werk zwar geeignet, da es kein Vorwissen verlangt. Als wissenschaftlich reflektierende Analyse der bisherigen Forschungsergebnisse kann dieses Buch jedoch nicht gelten. Auch die vorgestellen Interventions- und Präventionsansätze sind meiner Meinung nach zu oberflächlich und unreflektiert, um dem Leser wirklich einen Nutzen zu bringen.