Als ich dieses Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, war ich verwirrt. Mit einem ähnlichen Gefühl habe ich es nach dem Lesen zugeschlagen.
Zunächst stolpert man als Trader bei einem Trading-Buch über den hier gewählten Untertitel, in dem Investoren angesprochen werden. Ich dachte bisher immer, dass Investoren nicht unbedingt zu einem Trading auf der Basis eines 60-Minuten-Charts neigen. Falls doch, dann werden ihnen in diesem Buch also simple Strategien für das Forex-Trading geboten. Das Adjektiv muss man wörtlich nehmen.
Im Grunde erklärt uns der Verfasser das Trading-Erlebnis von Investoren in wenigen Schritten: Erstens bewegen sich die Devisenmärkte in Trends, die man jeweils in Dreier-Wellen unterteilen kann. Nach einer Welle in Trendrichtung kommt eine Korrektur. Danach geht es weiter in Trendrichtung usw. Jetzt kann man entweder weiter zählen oder das Dreier-Muster von vorne anfangen. Zweitens: Kommt eine Korrektur, dann helfen uns die Fibonacci-Zahlen deren Ausweitung zu erahnen oder wenigstens dort eine Position in Trendrichtung zu eröffnen. Drittens errechnen wir Kursziele entweder nach Fibonacci-Ausdehnungen oder nach Widerständen bzw. Unterstützungen. Viertens erklärt uns der Autor, wie wir uns gegen eventuelle Irrtümer klug absichern sollten.
Merkwürdigerweise funktioniert das tatsächlich. Wenn man es kann. Und nur dann. Wenn man mit dem Auto in einer fremden Stadt nach einem Stadtplan sein Ziel erreichen möchte, dann erlebt man genau das, was besagte Investoren erfahren werden, wenn sie Meister Düvel folgen wollen. Auf der Karte sieht alles recht übersichtlich aus. Die Wirklichkeit ist dann leider etwas verworrener. Und obendrein hat man nicht viel Zeit für seine Entscheidungen, denn man sitzt nicht ruhig am Tisch, sondern nervös im fahrenden Auto.
Neben der simplen Trading-Strategie enthält dieses Buch noch zahlreiche andere Informationen, deren Nutzen für Trader ich nicht bewerten möchte. Düvel selber handelt nach Auskunft des Klappentextes Ausbrüche nach Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten. Aus diesem Grund benennt sein Buch am Ende wahrscheinlich alle für die Devisenmärkte relevanten Statistiken, deren Veröffentlichungszeit, ihre Beschreibung und ihren Markteinfluss. Außerdem wird uns die Rolle des Leitzinses verdeutlicht. Es fällt jedoch merkwürdigerweise kaum ein Wort darüber, wie wir das vorher vermittelte Trend-Trading mit diesen Wirtschaftszahlen verbinden sollen.
Zu Beginn des Buches erhalten wir darüber hinaus Informationen über die einzelnen Zentralbanken, die Marktteilnehmer und ihre Motive, verschiedene Handelsplätze und die Hauptwährungen.
Eigentlich sollten wir nun für alle Fälle des Devisenhandels vorbereitet sein. Theoretisch sind wir es auch, praktisch wohl eher nicht. Denn ganz so einfach ist es wohl dann doch nicht.
Das Buch liest sich an sich ganz hervorragend, wenn mal von dem etwas drastischen Sprung vom technischen Trading zu einer wie auch immer gearteten Betrachtung von Fundamentaldaten absieht. Wie üblich ist die Chartdarstellung schlecht. Auch hier bleibt mir verborgen, warum man Charts so klein machen muss, dass man eine Lupe braucht, um sie zu lesen. Merkwürdigerweise nutzt der Autor auch nur das letzte Drittel dieser Charts (auf der Zeitachse). Man hätte also locker den Maßstab verdoppeln können.
Fazit.
Dies ist eine wirklich simple Verfahrensanweisung für Leute, die noch nie an den Finanzmärkten gehandelt haben, obwohl sie über eine Börsensoftware und verfügen und auch 60-Minuten-Kerzencharts lesen können sollten. Der Autor erklärt seine in der Tat simple Trendfolge-Technik so, dass sie auch wirklich jeder verstehen kann. Der Teufel sitzt allerdings wie immer im Detail. Und Details kommen in diesem Buch nicht zur Sprache. Es fällt mir ausgesprochen schwer, diesem Buch eine Bewertung zu erteilen. Alles ist richtig erklärt, alles funktioniert auch wirklich so. Ich bezweifle allerdings, dass es bei der vermuteten Zielgruppe dieses Buches auch auf Anhieb funktionieren wird. Was einfach aussieht, ist auch einfach. Allerdings nur für einen Meister seines Faches.