Nachdem ich vor anderthalb Jahren wochenlang um dieses Buch herumgetanzt und von der Aufmachung abgeschreckt war, habe ich es mir damals doch zugelegt. Und es hat mich mit seiner mitreißenden Art - entgegen einer lebenslangen Überzeugung, es nicht zu können - zum Laufen gebracht. Das war in vielerlei Beziehung eine große Bereicherung für mein Leben, für die ich sehr dankbar bin. Die Motivation nach dem Motto "es ist nie zu spät" ist für viele Menschen sicher sehr hilfreich und gut. Außerdem bietet das Buch viele mehr oder weniger fundierte Informationen. Soweit das Positive. Aber bitte, lieber Herr Strunz oder lieber Verlag, zeigen Sie etwas mehr Verantwortung! Ich mußte nach 6 Wochen täglichen Laufens mehrere Wochen aussetzen, denn ich hatte meine Knie so überlastet, daß ich plötzlich eines Morgens nicht mehr gehen geschweige denn laufen konnte. Erst in anderen Laufbüchern fand ich Hinweise darauf, daß Bindegewebe und Sehnen Monate bis Jahre brauchen, um sich auf die neue Belastung einzustellen und man es zu Anfang vorsichtig angehen sollte. Auch gab es bei mir im ersten Jahr kaum nenneswerte Leistungssteigerungen. Von "ganz aus Versehen in drei Monaten zum Ironman" konnte keine Rede sein. Grund: nicht das Training steigert die Leistung, sondern der Körper braucht nach jedem Trainingsreiz eine Regenerationsphase, in der er sich anpaßt. Und 24 Stunden sind dafür meistens zu wenig! Für die meisten Menschen ist es also viel besser und gesünder, nur 3-4mal die Woche lang und locker zu laufen. Das habe ich aber erst in anderen Büchern erfahren können. Und erst seitdem geht es mit meiner Kondition steil bergauf. Schwer erträglich sind Platitüden der Art "Haben Sie schonmal ein Reh mit Arthrose gesehen?". Aber ganz übel sind die unreflektierten Bemerkungen über die Diskreminierung von Dicken. Es hätte wirklich nicht sein müssen, daß solche unsinnigen menschenverachtenden Studien auch noch weiter propagiert werden. So ganz nach dem Motto: "Gestern waren es die Juden, morgen werden es die Dicken sein". Also: Vielen Dank, daß Sie mich zum Laufen gebracht haben, Herr Strunz, aber das Buch sollten Sie an einigen Stellen nochmal überarbeiten!