Theatre of Tragedy sind zurück! Und wie!
Nunmehr 16 Jahre nach der Bandgründung bringen Theatre of Tragedy mit "Forever is the world" ihr 7. Studioalbum heraus.
Und dieses hält einige Überraschungen bereit. War Storm bereits eine leichte Rückkehr zu den härteren Wurzeln, so werden auf diesem Album sogar Erinnerungen an die Klassiker "Velvet Darkness They Fear" oder "Aégis" geweckt.
Die ersten Klänge des Openers "Hide and Seek" mögen noch ein wenig darüber hinwegtäuschen, aber Elektroklänge gibt es auf diesem Album kaum noch und wenn dann bei 1:32 Minuten Frontman Raymond tatsächlich wieder seine von vielen vermissten Growls einsetzt, dürfte einigen die Kinnlade runterfallen und man sich unvermittelt ins Jahr 1996 versetzt fühlen, als er auf "Velvet Darkness They Fear" zum letzten Mal solche Laute von sich gegeben hat.
Ich war jedenfalls sehr überrascht und erfreut und es tut den Songs sichtlich gut, auch wenn er nicht auf allen Songs growlt.
Die Musik ist wieder langsamer, doomiger, trauriger, bietet aber auch einige neue Elemente, die man so von Theatre of Tragedy bisher nicht kannte und z.B. Gitarrenmelodien bietet, die eher an frühere Paradise Lost erinnern.
Nell hat ihre Gesangsperformance gegenüber Storm erneut verbessert und bietet jetzt einen wesentlich differenzierteren Gesang und singt nun in vielen Songs auch mal deutlich tiefer.
Einige Songs erinnern an "Velvet Darkness They Fear", einige an "Aégis" und einige an "Storm". Aber auch die Eingängigkeit der "Musique"-"Assembly"-Zeit lässt sich in einigen Songs wiederfinden, wobei Raymond komplett auf seine Robotervocals verzichtet und auch seiner cleaner Gesang eher an "Aégis"-Zeiten erinnert.
Nun ein kurzes Review der einzelnen Songs:
1. Hide and Seek
Ein sehr starker Opener. Hervorragender Refrain von Nell, super growls von Raymond, langsam und schleppend. Erinnert sehr stark an "Velvet Darkness They Fear".
10/10
2. A Nine Days Wonder
Hier haben wir es tatsächlich mit dem ersten Walzer von Theatre of Tragedy zu tun.
Geht wesentlich flotter zur Sache und Nell singt hier alleine.
8/10
3. Revolution
Dieser Song hätte eher auf "Storm" gepasst. Allerdings trotzdem von der Stimmung her dunkler und trauriger. Und hier fällt gegen Ende auf, dass die Songs nicht mehr ganz diese typische Popsong-Struktur der letzten Alben hat.
Insgesamt aber einer der schwächsten Songs des Albums.
7/10
4. Transition
Klingt wieder eher nach dem Gothic Rock auf Aégis. Recht ruhig und atmosphärisch.
Insgesamt aber für mich noch zu unauffällig, aber vielleicht entwickelt sich der Song ja noch.
7/10
5. Hollow
Der Kracher schlechthin! Für mich einer der besten Songs den ToT je gemacht haben.
Raymond growlt, Nell singt wundervoll, eine simple aber effektive Gitarrenlinie zieht sich durch den ganzen Song. Zu Anfang akustisch und gegen Ende steigert es sich immer mehr und es wird richtig losgerockt.
Wieder werden Erinnerungen an "Velvet Darkness They Fear" wach. Irgendwie kommt es einem bekannt vor, als wären die letzten 13 Jahre nie passiert, aber irgendwie klingt auch alles noch viel neuer und frischer. Genial!
10/10
6. Astray
Das ist wohl hauptsächlich ein Zugeständnis an die "Musique"-"Assembly" Zeiten, aber trotzdem kaum Elektronik und insgesamt rockiger. Irgendwie witzig.
8/10
7. Frozen
Wieder einmal kommt einem "Velvet Darkness They Fear" in den Sinn. Sehr atmosphärisch. Tiefer Gesang von Nell in den Strophen, extreme Growls von Raymond und am Ende singen sogar beide gemeinsam den Refrain.
Die Gitarren klingen sehr old-school und doomig. Ebenfalls ein Klasse-Song!
10/10
8. Empty (Bonus-Track)
Wieder ein Song auf dem nur Nell singt. Sehr schöner rockiger und trauriger Song mit schönen Pianolinien. Stilmäßig eher bei "Aégis" einzuordnen.
8/10
9. Illusions
Hier fühlt man sich auch direkt an "Aégis" erinnert. Es fängt langsam an und steigert sich gegen Ende.
Raymond singt hier mit seiner cleanen Stimme wie auf "Aégis". Die tollen Melodien bleiben direkt im Kopf hängen. Ebenfalls ein Klassiker und einer der besten Songs des Albums.
10/10
10. Deadland
Die erste Single (mit Hide and Seek als "B-Seite").
Klingt eher nach Storm mit ein wenig Aégis-Gitarren drin. Guter Up-Tempo Gothic-Rock mit einer sehr schönen Piano-Passage am Ende.
8/10
11. Forever is the world
Beginnt nur mit Piano und Nell. Eine wunderschöne Melodie, die mich irgendwie ein wenig an Tori Amos erinnert.
Später kommen dann auch noch Gitarren hinzu und der Song steigert sich und wird noch richtig rockig. Sehr schön.
9/10
Insgesamt ein Klasse-Album und auch für Fans der alten Theatre of Tragedy empfehlenswert.
Hide and Seek, Hollow, Frozen und Illusions gehören meiner Meinung nach zu den besten Songs die die Band je geschrieben hat.