Schuberts Forellenquintett in A Dur D 667 zählt sicherlich zum Besten, was die Kammermusik jemals erschaffen hat, und auch zum Besten, was Schubert zu bieten hat. Schon allein die ungewöhnliche Besetzung (Klavier, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass) macht dieses Werk interessant. Hinzu kommt die Tatsache, dass es sich hierbei um Schuberts fröhlichstes, euphorischstes und strahlendstes Stück handelt.
Das einleitende Allegro vivace hat es mir von Anfang an angetan: Die perlenden Klänge, die perfekte Harmonie zwischen den Instrumenten und die liebliche Schönheit ziehen in ihren Bann. Ein weniger fröhliches, dafür zartes Andante beschreibt den zweiten Satz. In aller Freude tauchen beinahe unverhofft schmerzvolle, quälende Akkorde auf, die an einen Ausspruch Schuberts erinnern: "Kennen Sie eine fröhliche Musik? Ich kenne keine."
Das wundervoll filigrane Scherzo gefällt wohl ebenso. Schließlich folgt das Herzstück der Komposition, der Variationssatz über eines der bekanntesten Schubert Lieder: "Die Forelle", welche dem Stück auch seinen Namen gab. Als perfekt empfinde ich vor allem zwei Variationen: In der einen trägt der Kontrabass die Variation vor, von den anderen Instrumenten nur begleitet; die andere ist düster und abgehackt und wirkt beinahe befremdlich.
Im Finale wird subtileren Freuden Ausdruck verliehen, die quasi zwischen den Zeilen zu suchen sind. Dieser Satz erinnert beinahe schon an die verschnörkelten, kantigen späten Streichquartette Schuberts.
Als Zugabe findet sich das Quartett "Der Tod und das Mädchen" in d moll D 810 auf der CD, ein Quartett, das vor allem durch seinen Variationssatz über ein weiteres bekanntes Lied des Komponisten berühmt geworden ist. Von daher empfinde ich die Zusammenstellung als thematisch passend, auch wenn an der Aufnahme der Zahn der Zeit genagt hat, was sich vor allem im verhältnismäßig starken Rauschen äußert.
Dieses Streichquartett zählt zu den düstersten und traurigsten der Literatur und offenbart seine Reize nicht nur im überaus bekannten zweiten Satz: Auch das Finale in seiner Schroffheit weiß, zu überzeugen.
Interpretatorisch bewegt sich diese Kompilation auf allerhöchstem Niveau: Das Amadeus Quartett ist für seine hervorragenden Einspielungen bekannt, ebenso der große Russe Gilels. Rainer Zepperitz, den ich bis dato nicht kannte, macht seinen Job mehr als gut. Positiv anzumerken bleibt weiterhin, dass die fünf bzw. vier Instrumente ausgezeichnet miteinander harmonieren, keines sticht hervor, keines läuft einem anderen den Rang ab.
Fazit: Eine absolut empfehlenswerte CD, schon allein wegen des genialen Quintetts. Eine der weniger zahlreichen CDs, die bei mir nie verstauben.