4AD hatte ja nun seit dem Ausstieg von Ivo nicht _immer_ ein glückliches Händchen bei der Wahl seiner Protagonisten. So war mir Herr Johannsson bisher durch recht sperrig-undurchdringliche Kompositionen aufgefallen, die nicht unbedingt immer mitzureißen verstanden.
Dieses neue Album hingegen passt im Kontext des Jahresendes mit seiner durchweg dunklen Stimmung, die aber bei allem Grau umher mit spannenden und zugleich entspannenden Nicht-Songs den Tag mit grandiosen Melodien zu erhellen weiß, hervorragend zum Start einer großen Karriere.
Ich fühle mich stimmungsmäßig an früher, als ich noch bei This Mortal Coil bzw. Hope Blister staunend vor den Lautsprechern saß, erinnert. Und die Electronics hieven das Ganze ins 21. Jahrhundert. Klassische Kompositionsstrukturen, teils recht spärlich, aber nie kammermusikartig instrumentiert, reichen die Fackel von der ersten bis zur letzen Minute durch dieses Labyrinth aus imaginären Zukunftsvisionen. Dabei kann man manchmal nicht mehr zwischen Realität (klassischer Instrumentierung) und Fiktion (electronics) unterscheiden, weil sich viele Klänge schleichend zwischen diesen Extremen bewegen. Es ist dadurch Musik zum Zuhören.
Wer genannte Beispiele aus dem 4AD-Backkatalog mag, wird hier endlich wieder einmal etwas Neues auf diesem oft unerreichten Niveau finden, auch wenn auf Gesang mit Ausnahme einer Chorpassage verzichtet wird und die Kompositionen klassische Strukturen haben. Ein tolles Album für die Ewigkeit.
Herr Johannsson empfiehlt sich übrigens hiermit wieder als einer, der in der ersten Reihe der Soundtrackmacher sitzt. Lebte Herr Kubrik noch, dann vollbrächten die beiden sicher etwas Großes.